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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Fiinfundzwanzigstes Kapitel. Opium, Morphium.

centimetern der Ferridcyankaliuinlösung abgezogen, so erhielt man dieMenge der durch das Morphium zersetzten Lösung des letzteren Salzes.Für 10 CC. obiger Morphiumlösung, welche genau 0,1 Grm. Morphiumenthält, wurden die Zahlen 3,7; 4,5; 5,7 und bei Erwärmung sogar 13,1und 15,3 erhalten. Gleich nach dem Zusatz des Ferridcyankaliumskonnte man durch Jodzink und Stärke die Gegenwart dieses Salzes selbstbei kleinen Zusätzen nachweisen; durch Stehenlassen oder Erwärmenverschwand die Reaction wieder. Nimmt man den Ueberschuss des Fer-ridcyankaliums zu gross, so leidet die Genauigkeit schon darunter, dasses eine Restanalyse ist, und dennoch werden die Resultate nicht gleich,was die erste Bedingung der Richtigkeit wäre. Es müsste deshalb dieWirkung des Ferridcyankaliums auf Morphium als unsicher aufgegebenwerden.

Da sich der Salzsäuregehalt des salzsauren Morphiums sehr scharfdurch Silberlösung bestimmen lässt, so wurde noch ein Versuch ange-stellt, durch Bestimmung des Chlors die Menge des Morphiums zufinden.

0,3 Grm. reines salzsaures Morphium erforderte bis zur Erscheinungder rothen Farbe des chromsauren Silberoxyds genau 8 CC. Zehent-Silber-lösung. Diese sind = 8 X 0,003646 = 0,029168 Grm. Salzsäure, unddies macht nach der Proportion:

0,3:0,029168 = 100:9,722 Proc. Salzsäure im salzsauren Morphium.

DieFormel C^H^NOj-j-C1H 6 Aq = 375,46, giebt ~~

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= 9,73 Proc. Salzsäure, was mit der gefundenen Zahl sehr gut stimmt.

Es wurde nun 0,1 Grm. Morphium in verdünnter Salzsäure gelöstund in einer Porzellanschale bei milder Ofenwärme zur Trockne ge-bracht. Es blieb ein firnissartiger fester Körper zurück. Bei seiner Lö-sung in destillirtem Wasser zeigte er eine etwas saure Reaction. Eswurden ihm einige Tropfen einer Lösung von doppelt kohlensaurem Na-tron zugesetzt, und mit chromsaurem Kali und Zehent-Silberlösung dasChlor gefällt. Es wurden gerade 5 CC. gebraucht.

0,2 Grm. Morphium in gleicher Art behandelt erforderten 9 CC.Zehent-Silberlösung. Man ersieht daraus, dass die Resultate bei Weitemnicht so genau mit einander stimmen, als es die sehr scharfe Silber-methode zulässt. Der Grund davon liegt darin, dass es nicht thunlich,das Morphium durch Abdampfen in den Zustand des neutralen Salzesüberzuführen. Die ungleiche Menge dabei bleibender Salzsäure hängtvon der angewendeten Wärme ab. Auch geben die Zahlen ein zu star-kes Resultat.

Nach der Formel C 34 IL 9 NO 6 -)- 2 Aq = 303 entspricht jedesCubikcentimeter Zehent-Silberlösung einem zehntausendstel Atom oder0,0303 Grm. ,krystallisirtem Morphium. Der erste Versuch giebt0,1515 Grm. Morphium statt 0,1 Grm., der zweite 0,2727 Grm. statt0,2 Grm. Die deutlich saure Reaction des Rückstandes erklärt dies zur

Mohra Titrirbucb. II. Abthlg.

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