Vorstehende, wirklich ergötzliche und wohlbekannte Anekdote von derBegegnung des königlichen Feldherrn mit dem poetisirenden Lieutenant,mag hier am Eingänge der Memoiren eines alten Soldaten eine passendeStelle finden. Ihre Anwendung kann sowohl eine positive als negativesein. Positiv ist es, daß auch ich beinahe ein Vierteljahrhundert in kö-niglich preußischen Diensten gestanden habe, und nur Lieutenant gewesenbin, obgleich ich während des dreijährigen Befreiungskampfes von 1813,14 und 15 wahrhaftig nicht unthätiger Zuschauer geblieben war, sonderntüchtig mitgefochten hatte.
Eine negative Anwendung kann umstehende Erzählung nur in sofernhaben, als der Zorn des Himmels, mein Militairgeschick betreffend, wederdurch poetische Repliken noch dergleichen schnelle Benutzung günstiger Au-genblicke meinerseits beschworen wurde. Die Kraft des Wortes ist mirnur karg zugemessen; auch waren die Momente einer Begegnung mitdem erhabenen Monarchen, welchem ich diente, schwer zu erfassen, schwerernoch festzuhalten. Ehe man mit der halb vernommenen Frage oder An-rede die Antwort möglichst in Einklang zu bringen wußte, war der Königschon längst vorüber geeilt. Dies haben mich wenigstens meine Erfah-rungen .gelehrt, aus welchen, wie natürlich, diese Bemerkung allein nurgeschöpft werden konnte. Sie gebe zugleich den Beweis, wie wenig ichin solchen Fällen den günstigen Moment zu benutzen verstand.
Ich gedachte Anfangs, meinen Lesern nur die Geschichte der letzten zehn,unstreitig wichtigsten Jahre meines militairischcn Lebens zu geben; es istjedoch unumgänglich nöthig, die vorangegangene Zeit scharf zu crapon-niren und Licht und Schatten dicht zusammen zu stellen, um die darauffolgenden Ereignisse verständlich und meinen jüngeren Kameraden auchlehrreich zu machen. Diese Zeilen mögen demnach als Einleitung die-nen, welche ich mit der Versicherung schließe, wie ich dennoch Mittelgefunden habe, den Himmel mit dem Geschicke des armen Lieutenantszu versöhnen, und daß ich heute (freilich über 50 Jahr alt) und nachmanchem schweren Kampfe den soldatischen Ehrgeiz ziemlich beschwichtigt,zufrieden und in gemächlicher äußerer Lage, die Feder zur Hand undmein immer noch jugendlich-frisches Erinnerungsvermögen in Anspruchnehme, um meine Memoiren zu beginnen. Ich wähle hierzu nicht die