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1 (1846) Befreiungskrieg von 1813, 1814 und 1815 / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
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F.

Friedrich der Große schritt einstmals rasch an der Fronte eines zurSpecial-Besichtigung ausgestellten Infanterie-Regiments entlang, undblieb dann plötzlich vor einem älteren Offizier stehen, von welchem er ge-hört hatte, wie derselbe, nächst gewissenhafter Erfüllung seiner Dienstpflich-ten, sich noch mit Versmachen beschäftige, eine damals durchaus selteneErscheinung.

Er ist ein Dichter?" frug barsch der König.

Ja, Euer Majestät!"

Nun so dichte Er einmal!"

Der königliche Befehl ward augenblicklich also befolgt:

Gott sprach in seinem ZornZum armen Fülleborn: *)

Du sollst auf dieser ErdenNichts mehr als Lieutenant werden."

Diese treffende Replik gefiel dem Könige; um sich jedoch zu überzeu-gen, daß weder schlaue Berechnung, noch die Erwartung einer solchenFrage des Lieutenants Worte zum Reime gebildet hatten, cntgegnetc derMonarch sehr schnell:

Er ist Hauptmann; doch dichte Er weiter!"

Auch diesmal folgte ohne Säumniß Füllcborn's Antwort:

Gottes Zorn hat sich gewandt,

Zum Hauptmann bin ich ernannt;

Doch hätt' ich Equipage,

So hätt' ich mehr Courage."

Die soll Er auch haben, aber nun höre Er auf zu dichten."

So schloß der König diese kurze Unterredung.

*) So wollen wir den Dichterling nennen.

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