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1 (1846) Befreiungskrieg von 1813, 1814 und 1815 / von Wilhelm von Rahden
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durch That und ermunterndes »der spöttelndes Wort angespornt, ent-wickelte sich bei mir nach und nach eine gewisse körperliche Gewandtheit,welche sich jedoch nie in ihrer Sphäre über das Mittelmäßige erhob.Soldatischer Sinn und Vorliebe zu meinem Stande aber gedieh zuerstdurch die Vortrage in der griechischen und römischen Geschichte. UnserLehrer wußte in seine Beschreibungen jener großen Zeit und der gro-ßen Männer derselben, so viel Gluth und Wahrheit zu legen, daß solcheselbst in unsern Kinderspielen fortlebten. Alexanders Heldenthaten be-seelten alle unsere Erzählungen, und zu den Silbcrschildnern (Argpra-spiden^)) des großen Macedoniers bildlicherweise gesprochen inFührung und Fleiß gezählt zu werden, galt als die höchste Auszeich-nung und brachte fast immer den Gewinn des vernieteten Säbels und deskleinen Trefsenhutes.

Schon im dritten halbjährigen Lehrkursus klang bei der Vorlesungder Censuren, welche jedesmal als eine Schul- und Corps-Feierlichkeitstattfand, des Geschichtslehrcrs Urtheil über mich:

Wilhelm von N. zähle ich von nun an zu meinen Argpraspiden."

Der Major umarmte mich und Säbel und Trefsenhut waren meinLohn.

Um diese Zeit, wo ich mir die erste Waffe verdiente, fällt komischgenug auch die erste Veranlassung zu einer Art militairischer Operation,bei welcher ich figurirtc. Es trug diese den sonderbaren Charakter einerRevolte, obgleich ich mein ganzes kommendes Svldatcnlcben und Han-deln dem Kampfe für die Erhaltung des legitimen Rechts und der be-stehenden Ordnung gewidmet habe.

Der Oekvnom oder Speisewirth, welcher für die Beköstigung der Ka-detten zu sorgen hatte, wollte durchaus unsere jugendlichen Magen undunsern kindlichen Frohsinn in Grützcbrei ersticken. Viele Wochen langalle Abende grobe polnische Kaszc genießen zu müssen, gab wohl ge-nügende Veranlassung zum Aufruhr. Eines schönen Abends, als unsder beaufsichtigende Offizier in geschlossenen Reihen zum Eßsaal hinaus

*) Wie bekanntwurden die besten Soldaten Alexanders sogenannt, da sie zur Aus-zeichnung silberne Schilder trugen.