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1 (1846) Befreiungskrieg von 1813, 1814 und 1815 / von Wilhelm von Rahden
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gebeugt, ermüdet auch von der Last der Jahre, und von dem ewig na-genden Vorwurf eines ungcmessencn und daher unbefriedigt gebliebenenEhrgeizes niedergedrückt, die Großthaten ihrer jüngeren preußischenBruder bewunderten oder verläugneten.

Die Angabe dieser originellen Ansichten ist übrigens durchaus unab-hängig von jedem persönlichen und jeglichem anderen äußeren Einflüsse,und kann und darf also auch durchaus nicht als Norm, oder gar alsBorwurf in irgend einer Beziehung gelten und angesehen werden. Ebenso frei ist der Nacherzähler von jedem persönlichen Interesse in dieserSache geblieben.

Folgen wir nun abermals den Ucbertragungcn eines Augen- undOhrenzcugcn.

Ein junger und kräftiger Oberst rückte wenige Jahre nach dem Frie-den an der Spitze seines schönen Regimentes in eine größere Stadt un-serer heimathlichen Erbprovinzcn ein, und in der Pietät seines ächt mi-litairisch-chevalereskcn Charakters, dessen feine Bildung und Sitte jedergespendeten Aufmerksamkeit doppelten Werth verlieh, führt er sein Offi-cier-Corps auch zu einem alten preußischen General a. D., dessen Nameeinst, vor der unglücklichen Prüfungszcit von 1806, am Firmament desRuhmes glänzte, dessen Ehrgeiz und Eigendünkel ihn aber noch weitüber die Grenzen seines Verdienstes hinausschncllte, bis Ruhm undDünkel gänzlich verlöschten.

Mit ächt spanischer Grandezza nimmt der General die ihm darge-brachte Huldigung entgegen, spricht einige gnädige Worte und entläßtsehr bald die Menge, nur den Commandeur, welchen er in früherer Zeitgekannt, zurückhaltend. Es eröffnet sich, wie natürlich, sehr bald die leb-hafteste Unterhaltung, in welcher der junge hcldcnmüthige Oberst so ebenmit den glühendsten Farben die letzten glorreichen Kriegsercigm'sse aus-zumalen beginnt.

Da erhebt sich der alte General mit den Worten:Mein lieberOberst! von 1795 bis heute (1817) kenne ich keine Kriegsgeschichte mehr,darum muß ich bitten, ein anderes Thema zum Gespräch aufzunehmen."

Solcher grandiose Dünkel, meine ich (in den früheren Rhein-Cam-pagnen hatte nämlich der alte General wirklich vortreffliche Dienste gc-

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