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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Eisen und Platin.

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gegriffen. Werden zwei Stücke von Platinlegirungen, eine härtere und eineweichere, einige Stunden in derselben verdünnten Schwefelsäure gelassen, soüberzieht sich das harte Stück mit metallisch schwarzem, kohligem Pulverund die Oberfläche erscheint im Allgemeinen sehnig, während das weiche Stückeinen Ueberzug von grau-metallisch graphitartiger Materie erhält, welchesich weich anfühlt, sich leicht schneiden lässt und der Quantität nach' dasauf dem harten Stücke befindliche Pulver sieben bis acht Mal übertrifft.Das Pulver der weichen Legirung, falls es nicht lange in der Säure ver-blieben war, gleicht genau fein zertheiltem Graphit; in Folge seinesEisengehalts oxydirt es sich schnell an der Luft und verliert seine Farbe.Bleibt es dagegen lange Zeit in der Säure oder wird darin gekocht, sowird es in denselben Zustand übergeführt, welchen das, Pulver auf derharten Stahllegirung hat. Unter Einwirkung von Salpetersäure bleibt einschwarzer Rückstand, welcher nach sorgfältigem Waschen und Trockuenheftig explodirend ist. Er enthält viel Platin und sehr wenig Eisen. Plr-hitzt man ihn in Folie gewickelt, so explodirt er mit grosser Kraft, wirftdie Folie auseinander und strahlt ein schwaches Licht aus. Lässt manihn auf die Oberfläche erhitzten Quecksilbers fallen, so explodirt er leichtbei 204,4° C., aber nur mit Schwierigkeit bei 187,7° C. Wurde dieTemperatur langsam erhöht, so explodirte die Masse nicht, sondern zer-setzte sich ruhig. Bei der Detonation auf dem Boden einer heissenGlasröhre wurde viel Wasser und Rauch ausgestossen, während der Rück-stand aus metallischem Platin mit sehr wenig Eisen und Kohlenstoff be-stand.

William Longmaid wurde neuerdings ein Patent aufVerbes-serungen in der Eisen- und Stahlerzeugung ertheilt 1 ). Diese Verbesse-rungen sollen wesentlich darin bestehen, sehr kleine Mengen Gold oderPlatin, oder beide zusammen mit Eisen oder Stahl zu legiren. Der Patent-inhaber giebt an, dass die Benutzung von °/ ]8 bis 5 /ic einer Unze Goldoder Platin oder beider zusammen, also von 0,0117 bis 0,0194 Pfd. preuss.die Dichtigkeit, Geschmeidigkeit und Festigkeit des Eisens oder Stahlswesentlich vermehrt. So soll auch ein sehr schön klingendes Glockenmetallerzeugt werden durch Zusatz von 3 Unzen = 0,187 Pfd. preuss. Gold auf20 Centner einer Eisenlegirung; indessen mit Ausnahme dieses letzterenFalles genüge es stets nur V 2 Unze Gold oder Platin, d. h. 0,0311 Pfd. zu20 Centnern Eisen oder Stahl zu fügen. Unze der genannten Metalle sollzu 20 Centnern gewöhnlichen Gusseisens, zu der gleichen Menge Hartgussdagegen 1 /. 1 Unze oder mehr gesetzt werden, >/ 4 Unze zu je 20 CentnerRoheisen beim Puddeln u. s. w., u. s. w. Longmaid, der in der Thatals homöopathischer Metallurg bezeichnet zu werden verdient, da er sicheben nur von ganz kleinen Mengen seiner Mittelchen Erfolg verspricht,hat ähnliche Patente, wie für Gold und Platin, auch für Aluminium und

*) A. I). 1861. Jan. 24. Nr. 196.

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