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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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260
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260 Chemische Eigenschaften.

bald Aufmerksamkeit, namentlich in Oesterreich, wo Mayer zu Leobenals derjenige genannt wird, welcher die Erfindung zuerst im grossenMaassstabe verwerthete '). Wolframstahl wurde als eine wichtige Erfin-dung angesehen, man fand ihn Alles übertreffend an Feinkörnigkeit, gleich-massiger Structur, Härte, Zähigkeit, Festigkeit und Dauerhaftigkeit. Erwurde insbesondere für verschiedene Arten Werkzeuge verwendet, wiefür Meissei, Schneide- und Bohr-Instrumente, und man glaubte, dass der-selbe, obschon etwas kostspieliger als der früher zu gleichem Zwecke ver-wendete Stahl, doch viermal so lange hielte. Auf der Versammlung vonBerg- und Hüttenleuten zu Wien im Jahre 1858 wurde Wolframstahl in denverschiedensten Formen vorgelegt. Man hatte Schweizer daraus, welcheals Vollkommenheiten hinsichtlich der Qualität des Metalls angesehenwurden; denn sie waren scharf, hart, zähe und elastisch. ProfessorSmyth brachte von dost einige Proben dieses Stahls nach England, de-ren Bruch in der That ausserordentlich fein, gleichmässig, dicht undmuschlig war. Der Stahlfabrikant Sanderson in Sheffield machtemehrere Proben damit, die indessen nicht allzu günstig ausfielen. Aufder Ausstellung in London 1862 waren zwar in der österreichischen undpreussischen Abtheilung Wolframstahlproben vertreten, aber nicht in derArt, dass man daraus auf eine wirkliche Ausdehnung dieses Industriezwei-ges hätte schliessen können, und jetzt hört man kaum noch etwas voneiner Anwendung im Grossen.

Es lässt sich gar nicht leugnen, dass Proben, welche von Praktikern(z. B den Maschinenfabrikanten Egells, Schwarzkopff, Weddingund Freund zu Berlin, den Bochumer Gussstahlfabrikanten und Anderen)angestellt worden sind, äusserst günstige Resultate bezüglich der Härtedieses Stahls lieferten, da sich mit Sticheln daraus gehärteter Stahl dre-hen liess; aber trotzdem konnte er sich keine allgemeine Verbreitungverschaffen. Viel mochte zu der letzteren Thatsache der Umstand beitra-gen, dass mancherlei Betrug und Täuschung mit Stahl getrieben wurde,welcher, für Wolframstahl ausgegeben, doch keine Spur Wolfram ent-hielt. 2 ). Der Grund hierfür liegt wohl in der verhältnissmässigen Selten-heit des Wolframminerals, welche dasselbe immer nur wenigen Fabrikan-ten zugänglich machte.

Die absolute Festigkeit des Wolframstahls scheint sehr bedeutend zusein. Folgende Resultate in dieser Hinsicht wurden in dem polytechni-schen Institute zu Wien erhalten 3 ) :

J ) Berg- und Hüttenm. Zeitung. 18. S. 275. 1859. 2 ) Vergl. Wagner,Jahresber, 1860. S. 85. 3 ) Revue universelle de3 Mines etc. 1860. p. 88.