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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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262 Chemische Eigenschaften.

dann mit verdünnten Säuren behandelt und hierauf mit Wasser ausge-waschen. Auf diese Weise werden Schwefel und Arsenik entfernt. Dertrockene Rückstand wird 24 Stunden lang in kohlengefütterten Tiegelnstark erhitzt, wobei sich, wie man annimmt, Kohlenstoffverhindungen desEisens und Mangans bilden, während die Wolframsäure zu Metall reducirtwird. Man erhält eine schwach gesinterte Masse von dunkler Farbe undeinem hohen specifischen Gewicht. Hiervon werden V 2 bis 25 Proc. zumStahl vor dem Schmelzen gefügt').

Robert Mushet hat ein Patent auf den Gebrauch des Wolframs inverschiedenen Formen zur Darstellung von Gussstahl genommen*).

Wolfram, Wolframsäure, Oxyde oder Erze des Wolframs sind allevon demselben in seinem Privilegium einbegriffen; Wolfram wird abervorgezogen wegen der geringeren Kosten und des die Schmelzung erleich-ternden Mangangehalts. Das letztere soll erst fein pulverisirt, dann,wenn es 70 oder 75 Proc. Wolframsäure oder 60 Proc. Wolframmetallenthält, mit einem gleichen Gewicht geschmolzenen Peches gemischt undauf eine vorher angefeuchtete Steinplatte ausgegossen werden. Es wirdempfohlen, die Materialien nach folgenden Gewichtsverhältnissen in ge-wöhnlichen Tiegeln zu schmelzen und in Formen auszugiessen:

Cementstahl 46 Pfund, Wolfram und Pech 1 Pfund; oder: schwedischesStabeisen 44 Pfd., Holzkohlenstückchen 1 j. i Pfd., Wolfram und Pech 1 bis4 Pfd.; oder: Puddelstahl 48 Pfd., Holzkohlenstückchen s / a2 Pfd., Wolframund Pech l Pfd. Das Eisen oder der Stahl muss in kleinen Stücken an-gewendet werden. Man kann die Härte der Legirung vermehren durchAnwendung von mehr kohlenhaltiger Substanz oder weniger Wolfram.

Ob der ausschliessliche Anspruch des Herrn Mushet auf dieHerstellung von Wolframeisen oder Stahl ein gerechter ist, muss wohlJedem nach den vorausgeschickten historischen Notizen mehr als zweifel-haft erscheinen. Indessen hat derselbe durch sein Patent für England ein-mal dies Recht erworben!

[Anm. d. Bearb. Caron 3 ) hat über die Eigenschaften, welche kleineZusätze von Wolfram dem Eisen ertheilen, Folgendes veröffentlicht: Stahlerhält durch Einschmelzen mit reducirtem Wolfram grössere Härte undbesonders grössere Zähigkeit, Eigenschaften, die sich schon bei einem Zu-satz von 1 bis 2 Proc. herausstellten. Guter Cementstahl gab beim Ein-schmelzen mit 5 Proc. Wolfram ein Metall von ungewöhnlicher Härte,welche durch Abschrecken so erhöht wurde, dass sie der des härtestenweissen Roheisens gleichkam. Durch Zusammenschmelzen von 200 Thln.Cementstahl, 800 Thln. Stabeisen und 20 Thln. reducirtem Wolfram in

*) Berg- und Hüttenm. Zeitung. 19. S. 27. 1860. *) Siehe Abridgments ofSpecifications relating to Metals and Alloys, 1861, p. 407. Der Titel des Patentesist:An improvement or improvements in the manufacture of cast-steel. A. D.1859: Januar 12, Nr. 101; Febr. 24, Nr. 500 und Nr. 501; März 18, Nr. 690und Nr. 691. A. D. 1861: Juli 19. Nr. 1817. 3 ) Jahresber. Will, 1863. S. 734.Dingl. Polyt. Journ. 172. S. 43.