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462 Die Eisenerze.
3) Ueberführung des Oxyduls in Oxyd durch die titrirte Flüssigkeitund Berechnung des Eisengehaltes im Erze aus der gemessenen Mengeder zu dieser Ueberführung nöthigen Flüssigkeit von bekanntem Gehalt.
Von diesen drei Manipulationen können die beiden ersten, nämlichLösung .und Reduction, füglich gemeinschaftlich besprochen werden.
1) Lösung.
Man wendet stets die hei 100 bis 120° getrockneten Eisenerze imfein gepulverten Zustande an. Die Lösung geschieht am besten in dem-selben Gefässe, in welchem die folgenden Operationen gleichfalls vor-genommen werden, und zwar wenn möglich in einem Kolben. Die Lös-lichkeit der Eisenerze ist sehr verschieden, am schwierigsten löst sichEisenglanz und Rotheisenerz. Je geringer die Löslichkeit, um so feinermuss das Pulver und um so stärker die Säure sein. Während man daherfür Brauneisenstein, Spatheisenstein und Thoneisenstein meist mit ge-wöhnlicher concentrirter Salzsäure in geringer Menge ausreicht, mussman für Rotheisensteine und oft auch für Magneteisensteine starke rau-chende Salzsäure in nicht unbedeutender Menge anwenden. Digestionunterstützt die Lösung, Siedhitze aber ist nachtheilig. Für die Lösungvon Rotheisenstein braucht man oft mehrere Stunden. Salpetersäuredarf man nie anwenden und ebensowenig Königswasser. Sollte sich einEisenglimmer oder Magneteisenstein auch im fein gepulverten Zustandeder längeren Einwirkung von Chlorwasserstoffsäure entziehen, so kannman eine gewogene Menge eines solchen Erzes erst 10 bis 15 Minutenin einem Strom von Kohlenwasserstoff- oder Wasserstoffgas in einemRose’ sehen Reductionstiegel erhitzen, wonach das reducirte Eisen sichvollständig und leicht in Chlorwasserstoffsäure lösen wird. Meist kannman indessen schneller zum Ziel kommen, wenn man das gepulverteEisenerz mit saurem schwefelsaurem Kali bei anfangs gelinder, allmäligsehr stark werdender Hitze schmilzt und den Rückstand in verdünnterSchwefelsäure löst*). Bei Kohleneisenstein und einigen Thoneisensteinenist es in Folge der Gegenwart von organischer Substanz etwas schwierig,zu erkennen, wann die Zersetzung des Erzes durch die Säure vollendetist, indessen darf man bei fein gepulvertem Erz 20 bis 30 MinutenDigestion als genügend zur Auflösung des Eisens ansehen. Das in demRückstände bleibende, meist in Form von Schwefelkies vorhandene Eisenbeträgt selten über 0,5 Proc. des Erzes und kann imbeachtet bleiben.Doch thut man in diesem Falle besser, den Versuch mit geröstetem Erze,in welchem der Schwefelkies in Oxyd übergeführt und in Säuren löslichgeworden ist, zu wiederholen.
Für alle Proben, welche mit Chamäleon ausgeführt werden sollen,ist Schwefelsäure der Salzsäure vorzuziehen.
*) Fresenius, quantitative Analyse. 1863. S. 79l.