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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Asien.

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eine Charge vollendet und nun wird die kleine Menge erzeugten Schmied-eisens sammt Schlacke und unverbrannter Holzkohle herausgezogen, nach-dem zu diesem Zweck ein Theil der Ofenwand ausgebrochen worden ist.War die Operation gut geführt worden, so ist das Eisen heiss genug, umsofort in einen recht gesunden Kolben gehämmert werden zu können,wobei eine dicke, zähe Schlacke ausgepresst wird, aber zuweilen ist es zukalt für diese Arbeit und dann muss es nochmals erhitzt werden, was ineinem offenen Holzkohlenfeuer geschieht.

Da beim Ende jeder Charge ein grosser Theil der Ofenwand fort-genommen werden muss, um das Eisen herausholen zu können, so wirdhierbei viel Zeit verloren und durch die Abkühlung des Ofens viel Brenn-material verschwendet. Daher kommt es, dass gewöhnlich in einem Ofentäglich nicht mehr als zwei oder drei Chargen gemacht werden können.

In den Districten, wo diese Ofenart betrieben wird, ist gewöhnlichan Arbeitstheilung nicht zu denken. Es sammelt vielmehr dieselbe Fa-milie das Erz, brennt die Holzkohle und macht das Eisen, welches sienachher auch in solche Artikel verarbeitet, als die Dorfbewohner ver-langen. Oft ziehen die Schmelzer im Lande umher, von Dorf zu Dorf,und setzen da ihren Ofen auf, wo sich ein Begehr nach Eisen findet,während gleichzeitig Erz und Holzkohle in hinreichender Menge zu er-langen ist.

Als ein besonderes Beispiel für den Betrieb eines Ofens dieser Art,versehen mit einem eigentümlichen Gebläse, auf welches schon weiteroben verwiesen wurde, möge hier die Beschreibung eines früheren Schülersdes Verfassers, M. T. Blanford, jetzt bei der geologischen Staatsbehördevon Indien angestellt, Platz finden, welche das Eisenschmelzen in Orissa,einem Orte Nieder-Bengalens, behandelt:

Die Form des Ofens, welche die nachfolgenden Figuren 15 bis 21(S. 494 bis 496) darstellen, ist die bei den Mehals in Orissa gebräuchliche,kann indessen mit geringen Modificationen als typische für die allgemeinvon den Eingeborenen Nieder-Bengalens angewendete betrachtet werden.Der Ofen, von dem die Skizzen genommen wurden, befand sich im DorfeKunkerai'), welches wie alle solche Dörfer in diesem Theile Bengalens,ausschliesslich von Eisenhüttenleuten bewohnt wird und sich von denackerbautreibenden Dorfschaften der Umgegend durch Schmutz, Armuthund Elend der Bewohner unterscheidet. Die Eisenhüttenleute von Orissaund wie es scheint von ganz Bengalen bilden eine von den Ackerbauernverschiedene Classe, welche in der That zu jenen Stämmen der ursprüng-lichen Landesbewohner gehört, die sich unter verschiedenen Namen inallen hügligen Gegenden der Halbinsel finden und von unseren Ethnolo-gen als die entarteten Ueberbleibsel der ursprünglichen Tamul-Race be-trachtet werden. In Orissa giebt es mehrere solche Stämme von ver-schiedenen Bildungsgraden, die Eisenschmelzer von Talcheer und den

] ) Vergl. Mem. Geol. Surrey, Iudia, Part. I, p. 60, 65 etc.