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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Schmiedbares Eisen aus Erz.

Pyrenees und je 1 auf die Provinzen Hautes - Pyrenees, Lot-et-Garonneund Tarn. In Spanien giebt es noch zahlreiche catalonische Feuer inden Ländern der Pyrenäen und deren westlicher Fortsetzung, aber auchsüdlich vor Madrid im Thal des Tajo sollen deren existiren.

In Italien waren früher die Hauptpunkte für derartigen Betriebeinestheils nicht fern der Küste westlich von Genua in den ligurischenApenninen und zweitens in Calabrien. In ersterer Gegend sind dieseAnlagen ganz verschwunden oder in Alteisen- und gewöhnliche Frisch-feuer umgewandelt, in letzterer dagegen bestehen deren noch siebzehnmit je zwei bis drei Feuern, aber sehr schwachem Betriebe 1 ).

Ein catalonisches Luppenfeuer besteht im Wesentlichen aus demHeerde, der Gebläsemaschine und einem schweren Hammer. Sehr häufigbedient man sich als Gebläsemaschine der Wassertrommel ( trompe ), zuderen Betriebe man eine Wasserkraft von beträchtlichem Gefälle, min-destens 11 bis 12 Fuss, braucht. Diese Wassertrommelgebläse haben inden Pyrenäen nach Frangois die älteren Balgengebläse erst gegen Endedes 17. Jahrhunderts verdrängt. Als Erz benutzt man hauptsächlichBrauneisenstein; aber auch andere Erze werden oder wurden benutzt,so Eisenglanz von der Insel Elba in den ligurischen Apenninen und inCalabrien, in der letzteren Provinz gemischt mit Eisensand; Rotheisen-stein, Spath- und Thoneisenstein in den Pyrenäenländern, namentlich inder Gegend von Sommorostro. Das Brennmaterial besteht stets in Holz-kohle, die Versuche, Coks anzu wenden, misslangen überall 2 ). DerProcessist, wie sich geschichtlich nachweisen lässt, in den französischen Pyrenäenschon früher als 1293 ausgeführt, aber alte Ueberreste dort und in denspanischen Pyrenäen deuten darauf hin, dass man ihn schon weit vorjener Zeit gekannt hat 3 ). Als Uebergang von den in jener alten Zeitbenutzten Apparaten zu den jetzigen betrachtet Frangois 4 ) einen nochim Anfänge des 17. Jahrhunderts in den Provinzen Navarra und Gui-puzcoa und an der Bidassoa gebräuchlichen Ofen, welcher einen flachkegelförmigen Raum von ovalem Querschnitt umschloss, nur eine Formbesass, die über die Mitte einer längeren Seite in den Heerd ragte, ge-mauert, mit Eisenbändern umfangen und mit einem kupfernen Mantelzum Schutze vor Feuchtigkeit umgeben war. Im Anfang des 18. Jahr-hunderts hatte der Heerd bereits die Form der jetzt gebräuchlichen, aberein sehr wichtiger, obschon scheinbar unbedeutender Fortschritt brachteerst die Production zu dem jetzigen Standpunkte und erhöhte sie von60 bis 80 Kilogramm (120 bis 160 Pfund) auf 120 bis 150 (240 bis 300Pfund) für die Charge von fünf Stunden. Die Veranlassung bestanddarin, dass die früher mit 35 bis 40° Neigung 0,23 bis 0,32 Meter überdem Boden mündende Form auf 0,52 Meter erhöht und ihre Neigungverändert wurde, ein Beweis, wie von dem Unkundigen für geringfügig

*) Indnstria del ferro; TorinolS64. 2 ) Karsten, Kisenhiittenk. 4. S. 300.

3 ) Francois, p. 317. 4 ) Loc. cit.