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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Corsicaiiische Luppenfrischarbeit.

Einige Minuten nacli dem letzten Aufgeben von Holzkohle werdendie grossen Erzklumpen, welche den untersten Theil der äusseren Um-fassungsmauer bilden, fortgezogen, um an einem anderen Orte zerschla-gen zu werden. Während dieser Zeit wird der Heerd reichlich mitWasser begossen. Die Masse, welche den Löschheerd bildet und Stück-chen ungesiniertcn Erzes enthält, wird nun herausgezogen und über dasLager der gepochten Schlacke ausgebreitet. Das gesinterte Erz hält sichjetzt selbst um den Holzkohlenschacht herum; aber der Theil, welchersich über der horizontalen Kohlenlage (vergl. Fig. 39) findet, wird miteiner Kratze ( rabble ) niedergebrochen und stückweis ( piecemeal ) fortge-nommen, wobei die grösseren Holzkohlenstücke in einen Haufen geworfenwerden und das Ganze mit Wasser besprengt ( quenched ) wird. So istdenn der ganze Aufbau zerstört und unterhalb der Form findet sicheine Schlackenmasse. Das Erz ist zum grössten Theil zusammengesintert.

Die Mischung von Schlacke und Kohlenklein, welche einen langenHaufen auf dem Heerde bildet, wird in fünf gleiche Theile getheilt, derenjeder unter Zuschlag von 1 / 5 des gesinterten Erzes einen Deul (lump,engl.; masse, franz.; massello, ital.) giebt.

Man hat Sorge zu tragen, dass namentlich im Anfänge des Processesdie Temperatur nicht so gesteigert wird, dass das Erz schmilzt. Frei-lich tritt solcher Unfall selten ein; geschieht es aber dennoch, so bleibtnichts übrig, als das gesinterte Erz aufzubrechen und den sogenanntenRöstprocess noch einmal zu beginnen. Das Gewicht der Holzkohle,welches zu diesem ersten Theil der Operation oder dem Röstprocess( roasting ) verwendet wurde, betrug ungefähr zweimal so viel als dasGewicht des Erzes. Sagey bemerkt, dass es eine sehr eigenthümliclieThatsaclie sei, dass die Holzkohlenstücke, welche den inneren Schachtbildeten, während des ganzen Processes wohl erhalten blieben und dieFestigkeit des Aufbaues niemals Gefahr liefe, obschon die Temperatursehr hoch und die in den Heerd geblasene Windmenge beträchtlich wäre.

Die Products dieses ersten Theils des Processes sind also gesintertesErz und Schlacke, welche letztere durch die den Boden des innerenSchachtes bildenden Holzkohlen sickernd sich auf dem Boden des Lösch-feuers sammelt. Sie soll durch Schmelzung des rothen Thons entstehen,welcher in schwachen Adern das Elbaer Erz durchzieht. Die Charak-tere dieser Schlacke sind nach Sagey folgende: Sie ist gut geschmol-zen, glasig, durchscheinend, von heller oliveugrüner Farbe, enthält me-chanisch eingemengte Kügelchen von Roheisen und ziemlich grosseBruchstücke von Holzkohle, überzogen mit einer schwachen Metallhaut,die, zwar anfänglich nicht deutlich sichtbar, sich später am entstehendenRoste zu erkennen giebt.

Das gesinterte Erz kann zwar unter dem Hammer zerbrochen wer-den, aber das meiste davon lässt sich unter den nöthigen Yorsichtsmaass-regeln kalt in dünne Bleche aushämmern, ein Beweis, dass es wesentlich ausmetallischem Eisen besteht.