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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Schmiedbares Eisen aus Erz.

Jetzt bleibt nur noch der zweite Theil der Operation übrig, nämlichdas reducirte Erz in Deule zu vereinigen und letztere in Stäbe auszu-schmieden. Zu diesem Behufe wird frische trockene Holzkohle aus demVorrathsschuppen, welche vorher von beigemengten erdigen Theilen durchWaschen befreit war, auf den Heerd geworfen und so aufgehäuft, dasssie zwei geneigte Ebenen bildet, welche sich unterhalb der Form ineiner zu der Form wand rechtwinklig gelegenen horizontalen Linie schnei-den und welche sich bis zur Höhe der kleinen das Stichloch enthaltendenMauer an der Vorderseite erheben. Glühende Holzkohlen werden nurrund um die Form und kalte Holzkohlen unter dieselbe gebracht; aufletztere kommt ein bereits fertiges Eisenstück (von der vorigen Charge)so zu liegen, dass es über der Form bleibt. Dies Eisenstück von rohcylindrischer Form ist parallel seiner Axe an einen Eisenstab geschweisst,welcher zum Handhaben desselben diente. Es wird von Zeit zu Zeitgewendet und nach etwa 20 bis 25 Minuten zum Hammer genommenund ausgeschmiedet, wobei es jedesmal vier Stäbe liefert. Während dasSchmieden vor sich geht, wird eine Charge jener Mischung von Kohlen-klein, nicht gesintertem Erze und gepochter Schlacke, welche oben be-schrieben ist, zugleich mit Hammerschlag vom vorhergehenden Ausschmie-den, in die Mitte des Heerdes gebracht. Diese Charge wird sich selbstüberlassen und mit Schmieden fortgefahren, als wäre der Heerd nur mitHolzkohle gefüllt.

Das Ausrecken zu Stäben dauert gegen zwei Stunden von der Zeitan, wo das Gebläse angelassen wird. Die Behandlung des Feuers be-steht einfach in dem Aufwerfen von frischer Holzkohle als Ersatz fürdie verbrannte, im Aufgiessen von Wasser und im Reinigen und Offen-halten der Form. Der Eisenklumpen dagegen muss immer vor und etwasüber der Form gehalten werden und zwar so, dass ihn der Windstromnicht direct trifft und unnöthigen Abbrand durch Oxydation veranlasst.

Anderthalb Stunden nach Anfang der Operation wird das Stichlochgeöffnet und die sehr flüssige Schlacke in einen davor liegenden kleinenVorheerd aus Kohlenlösche abgelassen. Jetzt wird die Hälfte des gesin-terten Erzes vorn in das den eigentlichen Heerd bildende Löschebettbeinahe bis zur Höhe der Form aufgegeben und nach 5 oder 6 Minutenhorizontal in die Mitte des Heerdes vorgeschoben. Hier wird es inFolge der hohen Hitze weich unrV schmilzt theilweise sogar in Tropfennieder, bis es endlich, theils aus dem letzten Grunde, theils wegen desFortbrennens der darunter liegenden Holzkohle unter den Windstromgelangt, wo es sich mit dem vorher aufgegebenen nicht gesinterten Erzevereinigt.

Die andere Hälfte des gesinterten Erzes wird jetzt ebenso wie dieerste Hälfte aufgegeben und auf dieselbe Weise bearbeitet. Die Schlacke *)

*) Scories douces genannt, weil, nach Sagey, die Arbeiter glauben, dassdieselbe die Wirkung hat, das Eisen weich zu machen.