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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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557
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Corsicanische Luppenfrischarbeit. 557

wird von Zeit zu Zeit in den Ileerd geworfen. Ist der Deul vollständiggebildet, so wird etwa 1 Pfund Hammerschlag mit etwas weniger anErzpulver nachgesetzt, wahrscheinlich, wie Sagey bemerkt, um die Ent-kohlung des Eisens zu vervollständigen. Einige Minuten später wirddas Gebläse abgestellt, Wasser in den Heerd gegossen und der Deulherausgehoben. Der Deul wird von dem ihm an der Unterseite anhän-genden Schlackenkuchen befreit, mit einem hölzernen Schlägel bearbeitetund schliesslich wird der Eisenstab, welcher als Handhabe beim Zängendient, angeschweisst.

Die dünne Schicht Schlacke, die zuerst an der Oberfläche derjenigenMenge erstarrte, welche in den für diesen Zweck hergestellten kleinenVorheerd abgestochen worden war, wird auf die Halde geworfen, da sievon schlechter Qualität ist; aber das Uebrige, später Erstarrende wirdaufbearbeitet und von Neuem als Zusatz gebraucht. Die Ursache dergeringeren Beschaffenheit der obersten Schicht ist nicht erforscht worden,man vermuthete, dass sie in einem Schwefelgehalt läge ').

Die Dauer der ersten oder sogenannten llöstperiode und die Auf-arbeit der fünfTheile reducirten Erzes u. s. w. in der beschriebenen Weisedauert genau 24 Stunden, da den Arbeitern für jeden Theil 4 Stundengestattet sind. Ein Feuer erfordert nur vier Arbeiter, welche 6 Tagein der Woche beschäftigt sind. Die Arbeit pflegt nur 7 Monate imJahre im Gange zu sein, da man mit Ende Juni wegen der ausserordent-lichen Hitze und der gelegentlich sehr ungesunden Luft zu feiern begin-nen muss. Während dieser Zeit werden nicht mehr als 260 metrischeQuintais, d. h. 520 Centner Stabeisen im Durchschnitt producirt. Aller-dings ist das Eisen von ausgezeichneter Qualität, sehr dehnbar und seh-nig, ohne doch so schmiedbar wie das schwedische zu sein; man kann esheiss und kalt ohne Kantenrisse ausrecken; aber die Produetionskosteneiner Hütte, welche jährlich 580 Ctr. Stabeisen producirte, waren 6 Thlr.und 5 Thlr. 24 Sgr. pro Centner und die einer anderen mit 500 Ctrn.Jahresproduction 6 Thlr. 24,80 Sgr. Das Ausbringen an Stabeisen be-trug dabei nur 38,66 Proc. Der Verbrauch an Holzkohle für einenGewichtstheil Eisen konnte nicht unter 8,88 Gewichtstheilen geschätztwerden.

Dieser Verbrauch an Holzkohle beim corsicanischen Process ist enormhoch und man kann sich daraus eine gute Lehre ziehen. Die Beschrei-bung solcher veralteter Processe dient gewiss nicht nur zur Belehrung,sondern ebenso auch zur Warnung.

Auf die Theorie des Processes ist nach dem beim catalonischen Ge-sagten kaum nöthig, noch näher einzugehen. Bei beiden ist das haupt-sächlichste reducirende Agens Kohlenoxydgas und die Art des Feuerbauesbei der corsicanischen Luppenfrischmethode begünstigt ebenso sehr die

l ) Wahrscheinlicher würde sie wohl in einem Phosphorgehalt zu suchen sein.Aum. d. Beerb.