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Schmiedbares Eisen aus Erz.
Bildung dieses Gases als seine Berührung mit dem Erze. Es ist übrigensmerkwürdig genug, wie trotz vollständiger Unkenntniss der Principien,auf die sich ein Process gründet, die Praxis allein ihn so entwickelt hat,dass er sich selbst bis in die neueste Zeit hinein erhalten konnte.
c. Die deutsche Luppenfrischarbeit J ). *
Die deutsche Luppenfrischarbeit ist gleichfalls eine Sehmiedeiscn-darstellung, direct aus Erzen, aber sie unterscheidet sich in vielen Punk-ten von der cataloniselien und corsicanischen. Freilich ist sie jetzt ganzdurch den Ilohofenprocess und den Frischprocess verdrängt worden. Bis1798 war sie in Oberschlesien ganz allgemein und Karsten 2 ) hat sieausführlich beschrieben. Diese Beschreibung ist deshalb so interessant,weil sie zugleich einen Vergleich der älteren Methode mit derjenigen,welche an ihre Stelle trat, giebt. — Der Ileerd seihst, sagt Karsten,ist entweder aus eisernen Platten zusammengesetzt, oder es ist ein ge-mauerter Kessel, oder irgend ein metallenes oder thönernes Gefäss, wel-ches mit Kohlenlösche ausgeschlagen werden kann, und auf solche Arteinen Kohlentiegel bildet, in welchem die Schmelzung vorgenommenwird. Die Tiefe des Heerdes, d. h. die Entfernung der Form vom Bodenist sehr unbestimmt und beträgt 12 bis 20 Zoll. Auch der Durchmesserder kesselförmigen Schmelzgrube ist verschieden und richtet sich tlieilsnach der Beschaffenheit der Erze, theils nach dem Winde, theils nachden Kohlen. Leichtflüssige Erze, schwerer entzündbare Kohlen und stär-kerer Wind verlangen weitere Feuer, weil das Eisen sonst im Zustandedes Boheisens niederschmelzen würde. Die Form liegt vollkommen ho-rizontal.
Beim Anlassen des Luppenfeuers wird der Schmelzraum häufig mitLehm bekleidet und dann mit Kohlenlösche ausgefüttert. Oft fällt aberauch die Lehmauskleidung fort. Nachdem das Feuer sorgfältig abge-wärmt ist, wird es mit neuen Kohlen gefüllt, und dann sucht man zuerstdurch sehr leichtflüssiges (oder durch Kalkzusatz leichtflüssig gemachtes)Erz die Wände des eigentlichen Schmelzheerdes aus verschlacktem Erzzu bilden, welches an den aus Kohlenlösche bestehenden Wänden desIleerdraumes niederschmilzt. Man nennt dies das Ausbrennen desHeerdes. Das nun folgende Eingehenlassen der Erze wird an einigenOrten das Zutreiben des Steins genannt. Das Erz wird zu diesemZweck schaufelweise auf den über dem Feuer aufgehäuften conischenKohlenhaufen geworfen, durch welchen es sich nach und nach durch-ziehen oder durchschmelzen muss. Frisches Erz wird nicht eher auf-gegeben, als bis sich die vorige Gicht gesenkt hat. Der Kohlenhaufenwird von Zeit zu Zeit erneuert und der Process so lange fortgeführt, bissich hinlänglich viel Eisen im Feuer angehäuft hat, um das Herausneh-men der Luppe nothwendig zu machen.
') Das Original erwähnt diese nicht. — 2 ) Eisenhiiltenk. IV, ä87.