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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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559
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Deutsche Luppenfrischarbeit. 559

Die Beschaffenheit des Eisens hängt ganz von dem schnelleren oderlangsameren Sinken des Erzes ah; je schneller dies stattfindet, um soroher wird der Deul. Man hilft hiergegen durch Zusatz von gaarenSchlacken. Umgekehrt, je langsamer das Erz sinkt, um so gaarer wirddie Luppe, aber um so mehr Erz wird auch verschlackt. Bei einem zulangsamen Gange muss man den Heerd verengen, das Gebläse verstärken,vom Satz abbreehen und rohe Schlacken zuschlagen, bei einem sehrmatten Gange kann sogar der Fall eintreten, dass man gar keine Luppe,sondern bloss gaare Schlacke (Frischlech) erhält, wogegen bei einemzu rohen Gange nur etwas Roheisen und sehr viel Kohscldacke (matterliech) entsteht.

Es ist die Hauptaufgabe des Arbeiters, das richtige Verhältniss desErzes zu den Kohlen zu treffen und die Rohschlacke von Zeit zu Zeitabzustechen, ohne das Eisen ganz davon zu entblössen.

Wenn der letzte Stein aufgegeben ist, so werden die an den Wän-den des Schmelzraumes etwa angeschmolzenen Stücke abgestossen undmit niedergeschmolzen, dann wird der Ileerd abgeräumt und das fertigeFrischstück ausgebrochen.

In Schlesien wurde durch diesen Process sofort gaares Eisen erzeugt,welches nach dem Zangen zerhauen und bei der Bereitung der folgendenIiUppe ausgeschmiedet ward. In der Pfalz dagegen erzeugte man einenhalbgaaren Deul, welcher in einem Löschfeuer (oft mit einem Abgangvon 30 Proc.) umgeschmolzen wurde.

Abweichungen von dem beschriebenen Verfahren fanden sich hinund wieder, indem man in einigen Rennheerden das Erz mit Kohlen ge-schichtet vor sehr stechender (stark geneigter) Form niederschmolz unddas Eisen auf dem Boden zur Gaare brachte. Damit das Erz nichtdurchrollte, befeuchtete man es dann mit Wasser, ja rührte es selbst zueiner breiartigen Masse an.

In Schlesien, wo man den Heerd des Luppenfeuers aus feuerfestemThon oder aus Ziegeln rund aufführte, brachte man alle 6 Stunden eineLuppe von l 1 /* bis l l / 3 Centner fertig, oder wöchentlich 30 bis 35 Ctr.Stabeisen.

Karsten stellt die Resultate dieser Methode mit denjenigen zu-sammen, welche bei der Verhüttung der Erze bei Holzkohlen im Iloh-ofen und nachfolgender Verfrischung des Roheisens gleichfalls bei Holz-kohlen erzielt wurden. Er sagt (1841)'):

In Oberschlesien sind Tarnowitzer Erze (mit sehr viel Kieselthongemengte Brauneisensteine) verluppt worden und eben diese Erze werdennoch jetzt in Ilohöfen verschmolzen. Im Luppenfeuer verbrauchte manzu 1V 2 Gtr. Stabeisen 90 Cubikfuss Holzkohlen, also zu 1 Ctr. Stabeisen60 Cubikfuss Kohlen und erzeugte im grossen Durchschnitt aus 8 Ctrn.

x ) S. 291.