Buch 
[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
Entstehung
Seite
566
JPEG-Download
 

566

Schmiedbares Eisen aus Erz.

der Aufmerksamkeit werth, dass trotz der Gegenwart eines grossen Phos-phorgehalts in dem Erze der Osmundofen doch ein gutes Schmiedeisenlieferte, während das von denselben Erzen auf die heutige Weise durchDarstellung von Roheisen und Ueberführung desselben in Schmiedeisengewonnene Product kaltbrüchig und daher schlecht ist.

Es wurde bereits oben bemerkt, dass der Osmund-Ofen noch inFinland in Gebrauch steht, ein Factum, welches, wie es scheint, den Me-tallurgen wenig bekannt ist. Aber noch interessanter ist, dass dieserApparat neben dem modernen Hohofen seine Existenz behauptet. Auchhier dient als Material das sogenannte Seeerz und aus demselben kannnur vermittelst des Osmund-Ofens gutes Eisen gemacht werden; wovonohne Zweifel der Grund darin liegt, dass der Phosphor aus dem Erzenicht in das Eisen geht, sondern in die Schlacke übergeführt wird. Ueberdiese Methode giebt ein Schriftchen, welches in Stockholm erschienenist *), Auskunft und es sind daraus die folgenden Angaben entnommen:

Im Norden und Nordwesten Finlands, besonders in der Provinz Wi-borg und den anliegenden Theilen von Kuopio werden viel Seeerze ver-schmolzen und zwar in eigenthümlich geformtenharkhyttor genanntenOefen, ein Name, welcher von dem finnischen Worte harkko, welchesStück, Klumpen, Deul bedeutet und dem schwedischen Worte hytta, wel-ches Ofen bedeutet, abgeleitet ist. Diese Oefen bestehen nach der Be-schreibung aus einem etwa 6 Fuss 2 ) hohen Schacht; die Masse reducirtenEisens soll zwar schmiedbar sein, ist indessen häufiger eine Mischung vonRoh- und Schmiedeisen und muss deshalb in einer Art Feinfeuer um-geschmolzen werden.

Die See- und Wiesenerze Finlands werden ebensowohl in diesenniedrigen Harkhyttor verschmolzen, als auch in Hohöfen und hin undwieder, wie zu Warkaus im District Kuopio, stehen beide Oefen, sammteinem Frischfeuer zur Darstellung von Schmiedeisen dicht neben einander.Das von den genannten Erzen in Hohöfen erzeugte Roheisen wird haupt-sächlich für Gusswaaren verwendet und zu diesem Zwecke meist nachSt. Petersburg gesandt, während die niedrigen Oefen besser für Schmied-eisendarstellung geeignet sind, weil, wie bereits erwähnt, das Eisen dabeinicht kaltbrüchig durch Phosphorgehalt wird.

In einem solchen Blaseofen zu Pangakoski im District von Kuopiowerden jährlich 2000 Ctr. Schmiedeisen aus Seeerzen produeirt, einEisen, welches als ausserordentlich gut angesehen und zum Theil amErzeugungsort zu Nägeln verarbeitet wird.

Die Zahl der kleinen Blase- oder Harköfen in Finland ist fol-gende :

')Nägra Ord om Finlands Bergshandtering. Af I,. J. Igelström.Stockholm, 1861. 2 ) 3 ells.