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Schmiedbares Eisen aus Erz.
3. Chenot’s Methode.
Auf der ersten Weltausstellung zu London im Jahre 1851 warensogenannte Metallscliwämme (eponges metalliques) mit Proben des darausohne Schmelzung des Erzes hergestellten Eisens und Stahls zu sehen ’).Diese Schwämme bestanden aus metallischem Eisen, welches durch di-recte Reduction von Brauneisenstein vermittelst Glühens (Cementation)in Holzkohle erhalten war. Es waren Klumpen, welche unter demPolirstahl metallischen Glanz und die Farbe des Eisens annahmen.Ein französischer Metallurge drückte dem Verfasser damals seine Ueber-zeugung von dem Werthe des Chenot’sehen Processes, namentlichmit Rücksicht auf die Gussstahlfabrikation aus, indem er zu hoffenwagte, dass dadurch Gussstahl um 40 Proc. unter den Selbstkosten,die damals in Sheffield aufkamen, herzustellen sei. Chenot erschien auchauf der Weltausstellung zu Paris im Jahre 1855 und eine der GrandesMedailles d’Or wurde ihm für seine Erfindung zuertheilt, von der LePlay sagte, sie sei „die grösste metallurgische Entdeckung des Zeit-alters.“ Mit dieser Preisertheilung sind Umstände verknüpft, welcheeine scharfe Kritik zu erleiden gehabt haben, sowohl im In- wie imAuslande und welche die Mittheilung verdienen, obwohl sie denen, diedarein verwickelt sind, gerade nicht zur besonderen Ehre gereichen. DasFolgende ist ein Auszug aus dem amtlichen Berichte von WaringtonSmyth an das britische Handelsministerium über die Bergwerks- undHüttenproducte der genannten Ausstellung 2 ): „Eine goldene Medailleward Adrien Chenot zu Clichy ertheilt für seine interessante Sammlungneuer und in Rücksicht auf die Praxis wichtiger Thateachen, namentlichdie verständigen und ökonomischen Processe zur Reduction des Eisensaus seinen Erzen, und insbesondere die directe Darstellung verschiedenerArten Stahl. Dieser Preis ward zuerkannt, nachdem die preussischen,österreichischen und englischen Preisrichter Paris verlassen hatten undder Rest der Jury überredet worden war, dass Chenot nun seinen Pro-cess zu dem Stadium praktischen Werthes durchgeführt habe. Der ver-storbene Chenot, dessen vorzeitiger Tod die Folge eines Sturzes ausdem Fenster nach dem Schlüsse der Ausstellung war, hatte sich vieleJahre hindurch diesem speciellen Zweige der Metallurgie gewidmet undwar nun gerade da an gekommen, wo er seine Pläne im Grossen in Er-füllung gehen zu sehen hoffen konnte ... Chenot veranschlagte, dassdie Production einer guten Qualität Stahl einschliesslich eines reichlichenUeherschusses als Reingewinn nur 40 Pf. St. per ton oder etwa 137 a Thlr.pro Centner kosten würde . . . Vorkehrungen zur Ausübung des Pro-cesses in grossem Masstabe sollten in Frankreich und England gegenEnde des Jahres 1855 getroffen werden.“
7 Official Catalogue, France, Nr. 119. — 2 ) London 1857, p. 36.