167
Willen der Verewigten zu vollziehen. Die schönste und größteVerbindlichkeit eines Kindes ist Gehorsam, und Ehrerbie-tung für Aeltern das erste Gebot, das Verheißung hat. Siehaben sich bereits, dem mütterlichen Verlangen gemäß, zurAnnahme des heiligen Schleiers erklärt, und dieß stille Klostergewählt, wo Sie ihre übrigen Tage ruhig und Gott gefälligzu verleben gedenken; das ihnen zur Befolgung gesetzte Zielist erreicht. Sie stehen zum letzten Mal freigelassen hiervor meiner segnenden Hand, um ihren gereiften frommenEntschluß zu bestätigen und zu erfüllen, und so wird es Ihnenwohl gehen und Sie lange leben auf Erden. Wie festlichmuß Ihnen, nach siebenzehn verlaufenen Jugendjahren, nichtheute die Erinnerung an den Tag ihrer Geburt durch dieFeier ihres Gehorsams und Gelübdes werden, das Sie ab-zulegen bereit sind." Bei diesen Worten entfielen einigeTropfen den Augen des lieben Kindes. Der Mönch, der sienachdenkend anblickte, hielt so lange inne, bis sie wieder ge-faßt war, und fuhr dann herzlicher fort: „Ihre Traurigkeit,Theuerste, ist vorübergehend, wie der Schmerz einer Ge-bärenden. Der Allmächtige wird sie in Freude verwandeln.Diese Thränen, hoffe ich, sind der letzte Tribut, den ihreDankbarkeit dem Andenken eines vergangenen glücklichenLebens zollt; denn wie könnte, da Sie, mit heute, ein dreimalfroheres beginnen, es Ihrem Herzen schwer fallen, jenen ver-gänglichen Freuden der Welt, an denen es Theil nahm, zuentsagen, und sie Hähern Befriedigungen aufzuopfern. Habe