211
Gefühle zu Reliquien verschrumpfen! Diese Worte und diemännliche Thräne, die dabei über seinen schneeweiße» Bartrollte, erschütterten das mütterliche Herz. — Nun so zeigtmir, grausamer Mann, schluchzte sie, einen Ausweg ausdiesem Labyrinthe, ohne meinen Eid zn brechen, und Ihrmögt es bei Gott und seiner heiligen Mutter verantworten.I«, das will ich, rief er ernst und feierlich, und brachte nuneinige Tage nachher das Kvdicill zu Stande, das er mit ihrverabredete, selbst aufsetzte und mit einem Eide übernahm,es unter keiner andern als den festgesetzten Bedingungengeltend zu machen, die aber immer noch schwärmerisch unddurch die Möglichkeit, daß Klara auf ihrer Seite sie nichterfüllen würde, furchtbar genug waren. Denn hätte daögute Kind, in der angeordneten Betäubung, den Wurm, derihr Herz nagte, aus weiblicher Schwäche verhehlt — vorihrer feierlichen Entsagung, nicht unter den Augen des Mut-terbilds der Maria den Mann genannt, der ihr den Uebertrittins klösterliche Leben so schwer machte — alle Mühe des red-lichen Mönchs, das Kodicill — Brief — Ring — und die Erb-schaft wären für sie verloren, und dem Kloster, in das sieaus jener ländlichen Kapelle versetzt zu werden in Gefahrstand, verfallen gewesen. Daher kam die angstvolle, erschüt-ternde Beschwörung des Mönchs, daher das Schweben zwischenFurcht und Hoffnung des armen Brigadiers, der hinter demverhängten Gitter, mit gleicher Bangigkeit wie der Flügel-mann, den er vor einigen Tagen überraschte, Leben oder