37
Ich traf, als ich in Filberts Zimmer trat, den Arzt an,dem Saint-Saveur die Besorgung seiner unglücklichen Freundinauf die Seele gebunden, und der seit einer Viertelstunde aufmeine Zurückkunft und die Nachrichten gewartet hatte, dieich ihm von dem Zustande der Kranken mitbringen würde.Meine Bemerkungen konnten nichts Neues für ihn enthalten.Ich brach sie kurz ab und bat ihn dafür m^t nassen Augen,mir, der ich auf dem Punkte stände, Marseille zu verlassen,den Balsam mit über die Gränze zu geben, dessen mein ver-wundetes Herz so sehr bedürfe — die Gewißheit der Wieder-herstellung dieses weiblichen Engels. „Sie verlangen zu vielvon der mißlichen Kunst, der ich diene, wenn ich Ihnen,"antwortete er, „mehr als die große Wahrscheinlichkeit ihrerGenesung zusichern soll, da sie auf Bedingungen beruht, überdie Gott allein Macht hat — daß nämlich die periodischeHeftigkeit ihres Wahnsinns nicht todtlich für das Unterpfandihrer ehelichen Zärtlichkeit seyn werde, und die Geburtsstundemit jener Geistes-Erschütterung nicht zusammen treffe. Indieser Voraussetzung dürfen wir den glücklichsten Erfolgvon dem Erstaunen erwarten, mit welchem ihre erste Entbin-dung, die Erscheinung der Frucht ihrer Liebe, und das neuesüße Gefühl ihr mütterliches Herz erfüllen wird. Die Ver-einigung aller dieser Umstände, durch die sich die Natur imFortgange erhält, wirkt in gleichem Maße schmerzstillend aufden äußern Menschen, als sie den innern zu hohen morali-schen, edeln Entschließungen erweckt. Ja, mein werther