Band 
[Fünfter und sechster Band.]
Seite
61
JPEG-Download
 

61

gegangen?" Ich stand verblüffter vor ihr, als jemals, ohneeine Silbe zu antworten. Unheimlicher ist mir in meinemLeben nicht gewesen. Ueberlege selbst/Eduard, was hierAlles zusammentraf, um mich außer Fassung zu bringen. —Die hohe fremde Miene der Dame gegen einen Bekannten,wie mich, ihr gegenüber, die Schreibtafel des Barons mitihrem Miniaturgemälde und meinem Epigramm in der Tasche,scheu, wie ich immer gegen alle und jede bin, die Thorheitenvon mir wissen, so daß ich lieber von ihrem Tode höre, alsihnen begegne, und in demselben Augenblicke zugleich vonder Gefahr umschwebt, dem Lord, Klärchen-s Gemahl, meineHochachtung zu bezeigen.... Nein, Eduard, um mitsolchen Verlegenheiten zu kämpfen, muß man eine unver-schämtere Stirn haben, als ich. Mein Entschluß war kurz.Ich faßte den Propheten-Wirth bei dem Aermel, drehte michum, und eilte nach meiner Chaise. Als wir so weit waren,daß uns Niemand hören konnte, blieb ich stehen. — „Nun,lieber Herr Mundkoch" schöpfte ich Athem, „jetzt, bitte ich,befriedigen Sie meine Neugier, die unglaublich ist! — Wirkennen ja beide ihre liebe Nichte von dem Bette an, wo ihrder Teufel zum ersten Male erschien, bis zu dem Sopha,wo ich ihr daS Strumpfband der Maria verhandelte, durchwelches Wunder ist ihr die Hand eines reichen vornehmenEngländers zu Theil geworden? " Durch kluge Erfahrung,"antwortete er, die bei den Weibern meistens den Abgangder Unschuld ersetzt, und durch die Blindheit, mit der Gott