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4 (1839) Vierter Band. Gab-Hyp / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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Hauordnuug Hauptschweiu.

Hauordnung , nennt man in den Gegenden, wo man Nieder-waldwirthschaft treibt, 'und wo die Waldungen gewöhnlich in so viele Schlageeingetheilt sind, als der Turnus oder die Umtriebszeit Jahre dauert, dieEinrichtung, bei welcher alle Jahre ein Schlag der Nummecfolge nach ge-hauen oder abgetrieben wird. Im Fürstcnthume Siegen besteht für diedortige Hackwaldwirthschast eine eben solche Hauordnung, die schon mehrerehundert Jahre streng beobachtet und, wegen ihrer erprobten Nützlichkeit, diegoldene Jahrordnung genannt wird.

Haupt, nennt man 1) beim Mühlenwesen jedes der beiden Endendes Fachbaumes, das an der Erde, oder an dem Ufer zu Seiten des-Was-sers zu liegen kommt; 2) eine hölzerne Uferbefestigung, die etwas in denStrom hinein geht; 3) so viel als Pflughaupt; 4) so viel als Kraulhaupl;5) ein erwachsenes Stück Vieh (Hauptvieh).

Hauptbäume, nennt man die ganz ausgewachsenen, vollkomme-nen Baume im Oberholze, welche ihr Wachsthum ganz vollendet haben.

Hauptbücher, nennt man im Dachstuhle die Sparren, die mitKehl- und Hahnebalken, und Querbandern zusammen verbunden sind.

Haupthafer, ist eine zur Anerkennung des Hauptrechts der Guts»Herrschaft von Leibeigenen jährlich in Hafer zu gebende Abgabe.

Haupthuhtt, ist ein Zinshuhn zur Anerkennung des Hauptrcchtsder Gutshcrrschaft.

Hauptjaften, nennt man dasjenige Jagen, wenn man das Wildin einem großen Waldbezirke mit Jagdzeugen umstellt, es durch Trcibleuteimmer mehr coneentrict und endlich auf einen Lauf erlegt. Vormals muß-ten dergleichen Jagen gemacht werden, um das überhand genommene Wildzu vermindern; jetzt aber sind solche Jagen nicht mehr nöthig. Ein solchesJagen erfordert sehr viel Jagdzeug, indem ein stark mit Wild besetztes Forst-revier rundum mit Tüchern und Netzen zugestellt wurde, und man nur daLücken ließ, wo man hoffen durfte, aus angrenzenden Forsten noch Wildeinzutreiben oder einzusprengen. Sobald die Treibleute bis an die Lückengekommen waren, so wurden auch letztere sogleich mit Jagdzeugen zugestellt.Alsdann wurden in dem nun geschlossenen Jagen durch eine sehr zahlreicheJagensmannfchast Treiben gemacht, und hinter den abgetriebenen Theilenjedesmal Jagdzeug aufgerichtet, bis das Jagen ganz ins Enge kam, undnun das concentrirte Wild auf einen Lauf erlegt werden konnte.

Hanptkeiler, ist der im 6ten Jahre stehende wilde Eber.

Hauptrecht, ist ein Zins, der von dem auf leibeigenen Güterngehaltenen Hornvieh an den Erbherrn zu zahlen ist.

Hauptfcheibe, wird bei einem Scheibenschießen diejenige Scheibegenannt, wornach die Gewinne vertheilt werden. Eine noch nebenbei aus-gestellte Scheibe, wornach man sich bloß übt, oder auch kleinere Gewinneausschicßt, nennt man Schnappscheibe, oder auch Stechschcibe.

Hanptfchlag, nennt der Jäger den letzten, stark knappenden Ton,den der Auerhahn in der Balzzeit hören läßt, und der ungefähr so lautet,als wenn man mit ejnem Schlüssel auf ein Bret schlagt. Dieser Haupt-schlag ist das Zeichen, daß man sich, während des nun sogleich erfolgendenSchleifcns, dem Auerhahne mit 3 oder 4 Sprüngen nähern kann, weil«, wäbrend er schleift, weder hörtrnoch sieht.

Hauptschwein, s. Frischling.