Buch 
4 (1839) Vierter Band. Gab-Hyp / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
Entstehung
Seite
545
JPEG-Download
 

Hecke.

545

Frühjahre bindet man die Schenkel an Pfahle oder. in Ermangelung dieser,an einander und kürzet jeden etwas ein, damit er stärker wird und kräftigereZweige treibt. Das vorn und hinten an den Zweigen Stehende wird wegge-schnitten, damit die Hecke desto dichter und die Schenkel desto stärker werden.Im dritten Jahre werden wiederum die neu verwachsenen Zweige links undrechts angebunden und in einander geflochten, damit keine Lücke entstehtund Alles dicht wird. Alle diese angebundenen Zweige werden aber noch-mals eingekürzl und vorn etwas abgestumpft, und so alle Jahre fort, biszu der Höhe, zu welcher man die Hecke haben will. Nach 3 Jahren kannman die Pfähle herausziehen; hat nun die Hecke ihre Höhe erreicht, sowird sie jährlich mitten im August, weil sie da nicht mehr treibt, unddie Triebe noch nicht zu hart sind, mit der Gartenschere beschnitten odermit der Heckenhippe behackt. Bei dem ersten Anwuchs und Beschneidenmuß man darauf sehen, daß die Hecke nicht dichter als F. werde. Inregelmäßigem Schnitt gehalten wächst dann die Hecke frei ohne alles Binden,welches nur bei den wirklichen Zäunen angewendet wird. Hecken vonSchwarzholz, wie von Fichte, Tanne, Kiefer, Taxus, Wachholder, Sade-baum, nehmen sich sehr gut aus, jedoch muß man sich bei ihrer Anlegungund Behandlung nach der Natur des Schwarzholzes richten, das gegenden Schnitt empfindlicher ist. Fruchttragende Obsthecken lassen sich ausEorneliuSkirschen, Quitten, Hasel- und Lambertsnüssen, der Hauspflaume,der kleinen gelben Mirabelle, der spanischen Herzkirsche, der Ostheimer Kirsche,von Aepfeln aus den schwachwüchsigen auf Paradiesstamm veredelten Peppins,Fencheläpfeln, Roscnäpfeln und Ealvillen, und von Birnen aus mehrernBergamottenforten bis zu einer ziemlichen Höhe bilden. Zu Brustzwerg-hecken von nur ein paar Ellen Höhe passen mehrere Rosensorten, Rainweide,hoher Buchsbaum, tartarischer Zäunling, rother Hartriegel, Spierstaude u. s. w.Bon beerentragenden Sträuchen lassen sich zu niedrigen Hecken benutzen:die Berberis-, Johannis- und Stachelbeeren, welche oft reichlich tragenund sich gut iin Schnitt erhalten lassen. Zu Sckutzhecken sind vorzüglichtauglich, wegen ihrer vielen Stacheln, Weißdorn, Schwarzdorn, Kreuzdorn,jedoch schicken sich diese mehr zu Zäunen, welche gebunden werden; vergl.Befriedigung. Um die Hecken im guten Stande zu erhalten, mußMan jährlich das dürre und schadhafte Holz scharf ausschneiden und siesorgfältig ausputzen. Sobald die Hecke an einem Orte ein schwaches, kränk-liches Ansehen bekommt, oder etwas davon eingeht, muß man sogleichkräftige Setzlinge einpflanzen, damit keine Lücken entstehen. Alte Heckenhaut man unten tief ab, wo sie sich dann mit jungem starkem Austriebbald auf das schönste wieder erneuern. Das unten bei der Wurzel sichgern einnistende Unkraut muß mittelst des Karstes mit der Wurzel behutsamherausgehauen und ausgejätet werden. Bei den Obsthecken müssen dieBäumchen ihre Aeste sogleich von der Erde an austreiben, weshalb jedesdazu bestimmte, tief veredelte Stämmchen bei dem Verpflanzen (welchesin einer Entfernung von 2 bis 2^ F. von einander geschieht) auf 3 oder4 Augen abgeschnitten und kein Ast, als Haupt- oder Stammast, gelassenlvird. Alle Frühjahre werden sie aber sehr kurz geschnitten, damit sie untenwehr buschig wachsen und auch, die Zweige stark werden, damit sie die»rüchke tragen können, wobei aber die ausschweifenden und ungeschicktenNebenzweige wegzunehmen oder in Ordnung zu bringen sind. Alle Jahrewird den Sträuchen in diesen Hecken eine Hand breit neuer Wuchs aufgesetzt,Conv. Lex. d. ges. Land- und Hausw. IV. 35