Buch 
1 (1862) Der chemische Prozess der Ernährung der Vegetabilien / von Justus von Liebig
Entstehung
Seite
285
JPEG-Download
 

Rückblick.

28S

die es wirksam machen, »der wenn es im Boden die zu seinerWirksamkeit nothwendigen Bedingungen vorfindet, und es wirdvollkommen werthlos für den Landwirth, wenn er für den Er-satz oder die Zufuhr dieser Bedingungen nicht Sorge trägt.

In einem Boden, welcher reich genug an Stickstoff undarm an einzelnen für die Cultur mancher Gewächse unentbehr-lichen Bodenbestandtheilen ist, ist die Anwendung des Ammo-niaks oder seiner Salze jedenfalls unnützlich, und häufiggeradezu schädlich. Auf einem solchen Boden, dem es einfachan Phosphvrsäure fehlt, wird diese »»begleitet von Ammo-niak als Düngmittcl dieselbe Wirkung haben, welche derGuano in gleichem Grad vielleicht nicht hervorbringen würde.Eine Düngung mit saurem phosphorsauremKalk (Phosphorit)erhöhte auf einem der ärmsten ausgenutzten Felder in der Um-gegend Münchens, in Versuchen, welche das Generalcomitsdes landwirthschaftlichcn Vereins zu Schleißheim ausführenließ, den Kornertrag (Sommerweizen) um mehr als das Dop-pelte des nngedüngten Stückes. Wäre dieses Stück mit Guanogedüngt worden, so würde der Ertrag ohne allen Zweifel dendes nngedüngten Stückes weit überstiegen haben, und ein An-hänger der sogenannten Stickstoffthcorie würde eben so zweifel-los dem im Guano zugeführt«: Ammoniak die Wirkung zuge-schrieben haben, von welcher in dem erwähnten Versuch nichtdie Rede sein kann. Durch dasselbe Düngmittel hat man andielen anderen Orten, ohne alle Mitwirkung von Ammoniak,Erträge an Korn erhalten, welche die mit Guano erzieltenhäufig übertrafen, und daß für Felder dieser Art das PfundAmmoniak keinen Pfennig werth ist, liegt auf der Hand.

Auch der Grund hiervon ist durch die chemische Untersuchungdes Bodens ermittelt worden; es hat sich ergeben, daß diemeiste» Felder auf zehn bis zwölf Zoll Tiefe hundert-, fünf-