Vom Auftreten Vieta : s bis zur Erfindung der Logarithmen.
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Ebenso wenig, wie diese Männer, scblofs sich Adrianus Metiusin seinem späteren Alter der neuen Richtung an, denn weder seine1626 erschienenen „Arithmeticae libri duo et geometriae libri sex“Lugd. Bat. in 4°, welche eine kurze ebene Trigonometrie mit einemKanon der Sinusse von 10' zu 10' enthalten, noch sein schon frühererwähntes „Primum mobile“ von 1631 zeigen irgend eine Spur vonLogarithmen. Das Gleiche gilt von einer Schrift des BrüsselerJesuiten Jacques-Honore Durand (1598 —1644), der einen Lehr-stuhl der Mathematik in Grasse in der Provence inne hatte. Dieseführt den Titel 1 ): „Euclidis six primi elementorum geometricorumlibri etc.“ 1636 in 12° und enthält eine kurze Trigonometrie, dieaus Clavius’ Werken geschöpft ist und eine Tafel der Sinus,Tangenten und Sekanten für den Radius 10 5 aufweist. Überhauptfolgten die Mitglieder des .Jesuitenordens, von denen damals vieleLehrstühle der Mathematik und Astronomie inne hatten, lange Zeitder von ihrem Altmeister Clavius vorgezeichneten Richtung undkümmerten sich weniger um die neue Methode. So übergeht sieauch Johann Ciermans 2 ) (f 1648), Professor der Mathematik zuLöwen und Antwerpen, der in seinen „Disciplinae mathematicae“ von1640 auch die Trigonometrie berührt. In einem ähnlichen aber weitumfassenderen Werke, dem „Canon mathematicus sive absoluta mathe-maticarum disciplinarum Encyclopaedia“ Herbipoli 1661 in 4° gibtder Jesuit Caspar Schott lib. IV und V noch eine elementareTrigonometrie, die keinerlei Fortschritt zeigt und sich nur einerdaselbst mitgeteilten Tafel für Sinus, Tangens und Secans bedient.Derselbe kennt zwar die logarithmische Trigonometrie, mufs aber„wegen Platzmangels“ von ihrer Mitteilung abstehen und verschiebtihre Besprechung auf eine andere Gelegenheit. In der That erschienauch 1674 eine neue Ausgabe seines Werkes, in welcher die Loga-rithmen und ihre Anwendungen enthalten sind. Er gibt dort Tafelnder Sinusse, Tangenten und Sekanten und ihrer Logarithmen auf10 Dezimalen.
Ferner ist noch zu nennen der als Astronom wohlbekannteJesuit Christoph Grimberger (1580—1636), welcher ein Schülerdes Clavius war und zuerst in Österreich, dann in Rom lebte undlehrte. Er gab 1630 ein viel gebrauchtes Lehrbuch der Trigono-metrie 3 * ) heraus, das sich ebenfalls nur der älteren Methode bediente.
1) Quetelet, Histoire des Sciences Mathematiques et Physiques chez les
Beiges 202. — 2) Vgl über ihn Cantor II. 657. — 3) Elementa trigonometrica,
id est sinus, tangentes, secantes in partibus Sinus totius 100000 in 8°. Bäcker,
Bibliotheque des dcrivains de la Compagnie de Jesus, zitiert eine Ausgabe der
Schriit von 1619.