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Zweiter Teil. Von der Erfindung der Logarithmen bis auf die Gegenwart / von Dr. A. von Braunmühl
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Die Erfindung der Logarithmen und ihr Einfluß auf die Trigonometrie. 5

moment genügend; die direkte Kenntnis der Geometria rotundi ausdem Gebrauch des Wortestangens zu folgern, ist jedoch nicht zu-lässig, weil, wie wir früher sahen, dieser Terminus damals bereitsvollständig eingebürgert war.

Aus diesen Schriften und den Anwendungen ihrer Methoden aufdie Astronomie mag nun Neper erkannt haben,daß, wie er selbstsagt 1 ),in der praktischen Mathematik nichts so störend wirkt unddie Rechner mehr hindert und belästigt, als die Multiplikationen, Di-visionen, Quadrat- und Kubikwurzelziehungen aus großen Zahlen,welche außer dem lästigen Zeitverlust oftmals fehlerhafte Resultateverursachen. Nach langen Überlegungen, wie man diesem Übel-stande abhelfen könne, wurde er schließlich auf die Erfindung seinerLogarithmen geführt, denen er zuerst den Namennumeri arteficiales,dann die noch heute gebräuchliche Bezeichnung beilegte. 2 )

In seinerDescriptio hatte Neper versprochen, den Weg, dener bei Berechnung seiner Logarithmen einschlug, später bekannt zumachen 3 ), aber erst nach seinem Tode erschien 1619 die SchriftMirifiei Logarithmorum canonis Constructio zu Edinburg in 4° vonseinem Sohne Robert herausgegeben. Neper gab nicht, wie Bürgi,Logarithmen der natürlichen Zahlen, sondern durch die Überlegunggeleitet, daß gerade in der Trigonometrie ein abkürzendes Rechnungs-verfahren notthue, berechnete er sie für die Sinus der Bögen des Qua-dranten, die von Minute zu Minute fortschritten, und legte den Radius10 7 zugrunde.

Der Gedanke der gliedweisen Zuordnung einer arithmetischenund einer geometrischen Reihe liegt auch seiner Betrachtungsweisezugrunde, aber derselbe 3

wird anders als bei Bürgi A~ -j-j---j- -B

begründet und ausgeführt.

Da die Sinus stets in 10 1 z * *

Teilen des Sinus totus AB Flg ' L

(Fig. 1) ausgedrückt werden, so denkt er sich denselben in der Weise

von einem von A ausgehenden Punkt durchlaufen, daß dieser in gleichen

1) Vorrede zu Ed. Wrights englischer Übersetzung der Descriptio, dievon seinem Sohne Samuel 1616 publiziert wurde; angeführt inScriptoreslogarithmici von Maseres Vol. I. XXXII in der daselbst abgedruckten Intro-duction of trigonometrical tables von Hutton und in der in Lyon 1620 er-schienenen lateinischen Ausgabe. 2) Descriptio. 5. Cap. II. prop. I, von Xöyovä()ifr(i6s abgeleitet. In der früher geschriebenen, aber später veröffentlichtenConstructio heißen die Logarithmen nochnumeri arteficiales. 3) Eine englischeÜbersetzung erschien neuerdings unter dem TitelThe construction of thewonderful canon of logatrithmens by John Napier Baron of Merchiston trans-