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Zweiter Teil. Von der Erfindung der Logarithmen bis auf die Gegenwart / von Dr. A. von Braunmühl
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1. Kapitel.

verwirrende Fülle der Sätze, die bisher zur Behandlung der recht-winkligen Kugeldreiecke dienten, durch eine einzige klar und kurzgefaßte Regel zu ersetzen.

Vor Nepers Auftreten hatten wir nur wenige Persönlichkeitenin England zu nennen, die irgendwelche nennenswerte Leistungen auf-weisen konnten. In Schottland aber standen die mathematischen undastronomischen Wissenschaften auf dem tiefsten Niveau, so daß manwohl' von diesem Lande zuletzt in Europa den Ausgang einer sowichtigen Erfindung, wie die der Logarithmen, erwartet hätte. Vonda ab aber spielt auch England eine nicht unbedeutende Rolle in derGeschichte der Trigonometrie.

§ 3. Die Verbreitung der Neperschen Erfindung und ihr Einflußauf die Verbesserung trigonometrischer Rechnungen.

Fast noch rascher als in England fand Nepers Erfindung derLogarithmen trigonometrischer Funktionen auf dem Kontinente undnamentlich in Deutschland Eingang und Verbreitung. Denn wennauch Eduard Wright, der sich in der Schiffahrtskunde und in derKartenprojektionslehre einen Namen gemacht hatte, schon gleich nachdem Erscheinen der Descriptio mit Enthusiasmus für die großartigeErfindung eine Übersetzung des Schriftchens ins Englische unternahm,um es auch außerhalb der Gelehrtenkreise bekannt zu machen, sowurde doch Nepers Originalwerk ziemlich rasch durch Briggs schonerwähnte Tafel der Logarithmen der natürlichen Zahlen und dessenspätere Arbeiten, auf die wir noch zurückkommen werden, verdrängt.

In Deutschland aber, wo der große Kepler bei seinen vielfachenastronomischen Arbeiten und Rechnungen in stetem Kampfe mit denschwerfälligen Methoden der trigonometrischen Berechnungen lag,machte sich das Bedürfnis nach einem abkürzenden Verfahren ammeisten fühlbar. Mit Kepler eng befreundet war Benjamin Ursinus 1 )(Behr), der ihn auch bei seiner aufreibenden Beschäftigung thatkräftigunterstützte und so die Schwierigkeiten der Rechnung genügendkennen lernte. Als er daher von einem Theologen namens VechnerNepers Schrift erhielt, erkannte er sofort ihre Wichtigkeit und beeiltesich, sie durch eine Neubearbeitung in Deutschland bekannt zu machen;auch Kepler wies er sofort auf sie hin. Schon 1618, also 4 Jahrenach dem Erscheinen der Descriptio, kam seinCursus mathematicipractici Volumen primum, continens Illustr. et Generosi DN. Johannis

1) Ursinus war 1587 zu Sprottau geboren und lebte eine Zeit lang alsHofmeister in Prag, wo er Kepler kennen lernte. Er starb als Professor derMathematik zu Frankfurt a. d. 0. 1634 oder 33.