Buch 
Zweiter Teil. Von der Erfindung der Logarithmen bis auf die Gegenwart / von Dr. A. von Braunmühl
Entstehung
Seite
19
JPEG-Download
 

Die Erfindung der Logarithmen und ihr Einfluß auf die Trigonometrie. 19

Neperi etc. Trigonometriam Logarithmicam usibus discentium accom-modatam. Coloniae in 8 01 ) heraus und gab, um ein Meines Formatzu erzielen, Nepers Kanon in der Weise verkürzt, daß die Sinusund ihre Logarithmen zwei Stellen weniger enthielten. Zur Be-stimmung der Winkelsekunden war eine selbständig berechnete Pro-portionaltafel beigegeben, sonst schloß sich die Schrift ganz an dasOriginal an und war nur für die Studenten verfaßt, denen Ursinusnach seiner eigenen Aussage, sobald er Kenntnis von der neuen Er-findung genommen hatte, darin Unterricht erteilte. Er hat also jeden-falls das Verdienst, zuerst weitere Kreise auf die wichtige Entdeckungaufmerksam gemacht zu haben.

Aber es kommt ihm auch noch ein anderes Verdienst zu, daswir, obwohl es einer etwas späteren Zeit angehört, gleich hier er-wähnen wollen. Er hat nämlich im Jahre 1624 einen großen KanonNeperscher Logarithmen auf 8 Dezimalen herausgegeben, bei welchemdie Winkel von 10 zu 10 Sekunden fortschreiten. Dieses Werk, welchesdie ersten 8-stelligen Tafeln enthält, führt den TitelBenjaminiUrsini Sprotavi . . . Magnus Canon logarithmicus. Coloniae 1624in 4° und findet sich gewöhnlich einer im nächstfolgenden JahreerschienenenTrigonometria in drei Büchern angehängt. Der großeKanon ist nach Nepers Vorschriften vom Fundament aus neu be-rechnet, indem namentlich genauere Sinuswerte zugrunde gelegt sind 2 )und bei Bildung der einzelnen Reihen eine größere Gliederzahl inter-poliert wird.

Übrigens stieß auch die neue Erfindung, wie es immer geht, aufGegner. Namentlich wollte dem an die starren Formen der EuklidschenGeometrie gewohnten Geiste der meisten deutschen Mathematiker dasmechanische Fundament nicht behagen, auf dem Neper seinen ganzenKalkül aufgebaut hatte. Besonders Keplers alter, hochverdienterLehrer Maestlin in Tübingen konnte sich nicht mit der Neuerung der-selben befreunden, obwohl ihn Kepler auf jede Weise von dem Nutzenderselben zu überzeugen suchte. 8 )

1 ) Köln a. d. Spree, siehe Cantor II, 2 , 739 . Das uns vorliegende Exemplarder Münchner Hof- und Staatsbibliothek trägt die Jahrzahl 1618 , nicht 17oder 19 , wie anderwärts angegeben wird. Die Vorrede ist von 1617 datiert. 2) Auch hat Ursinus bereits den später von Biot wieder erkannten Fehler(S. 7 ) bemerkt und statt 23026842.34 die auf 8 Stellen richtige Zahl 23025810angegeben. Über die dem Kanon vorausgeschickte Trigonometrie ist nur zuerwähnen, daß Ursin auch Briggs Bemerkungen und Ergänzungen mitein-bezog, indem er (p. 259 260 ) die beiden Neperschen Analogieen für die Seitenin der reduzierten Form anführte. Aber auch er blieb, wie Neper und Briggs,die Beweise für diese Formeln schuldig. 3 ) Vgl. hierüber Kepleri Opera omnia.Ed. Frisch t. VII, 299 .

2 *