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Zweiter Teil. Von der Erfindung der Logarithmen bis auf die Gegenwart / von Dr. A. von Braunmühl
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Die Erfindung der Logarithmen und ihr Einfluß auf die Trigonometrie. 33

handen war, und in der Tat hatte schon drei Jahre früher EdmundWingate (15931656), ein Londoner Advokat, der sieh von 1624an einige Jahre in Paris auf hielt, daselbst eine Arithmetique loga-rithmique veröffentlicht, von welcher 1628 eine Ausgabe bei P. ßam-maseyn 1 ) und 1635 eine englische Übersetzung in London erschien. 2 * )Auch gab 1626 der Professor der Mathematik in Paris DenisHenrion einenTraite de logarithmes in 8° heraus, der sich eben-falls auf Gunters Tafeln stützte und siebenstellige Logarithmen derSinus und Tangenten für jede Minute enthielt. Die erste in Frank-reich überhaupt erschienene Logarithmentafel war ein Abdruck vonNepers beiden Schriften, den der Buchhändler Bartholomäus Vin-cent in Lyon 1620 besorgt hatte. 8 )

Kehren wir nach Deutschland zurück, so ist hier wohl der UlmerKriegsbaumeister und Lehrer der Mathematik Johann Faulhaber(15801635) als derjenige zu nennen, der in seiner 1630 erschienenenIngenieurschul zuerst Briggssche Logarithmen einführte; jedenfallsist er der Erste, der eine Schrift in deutscher Sprache über sie her-ausgab. 4 ) Diese Ingenieurschule, die er für den Praktiker schrieb, unddie uns von seinen zahlreichen Werken 5 ) allein interessiert, enthielteine kurze Gebrauchsanweisung der Tafeln für trigonometrische Funk-tionen und der Tafeln Briggsscher Logarithmen derselben, sowie dernatürlichen Zahlen, gab kurze Regeln zur Behandlung ebener undsphärischer Dreiecke und Anwendungen auf praktische Aufgaben, undschloß mit einemAppendix, welcher Vlacks zehnstellige Tafelnder Logarithmen der Funktionen für alle Minuten, sowie der ganzenZahlen von 1 bis 10000 brachte. 6 * )

Durch dieses Buch, welches sehr große Verbreitung fand undschon deshalb, weil es deutsch geschrieben war, in weitere Kreisedrang, hat Faulhaber jedenfalls dazu beigetragen, den Vorzug derBriggsschen Logarithmen vor denen Nepers und Keplers ins Lichtzu stellen und sie populär zu machen, so daß dieselben von dieserZeit an in Deutschland auch zu praktischen Zwecken, namentlich fürdie Feldmeßkunst und die Höhenmessungen, verwendet wurden. In

1) Diese lag mir vor, sie findet sich auf der Münchner Hof- und Staats-

bibliothek. 2) Cantor II, 2, 746 und Glaisher a. a. O. p. 53. Sie enthieltdie Zehnerlogarithmen der Sinus und Tangenten Gunters, wie Wingate

selbst angibt. 3) Hutton a. a. 0. p. XXXIV. 4) Er sagt in seiner Inge-nieurschul p. 123:Also weiß ich der Zeit auch keinen Authorem, welcher inTeutseher Sprach die Sphärischen Triangel durch die Logarithmen hätte lehren

außrechnen. 5) Vgl. hierüber Kästner, Gesch. der Math. III, 111152; über

seinen Lebenslauf und seine sonstige Bedeutung Cantor II, 2, 670 ff., 625.

6) Diese Tafeln erschienen auch separat im Jahre 1630 und 1631 bei Aperger

in Augsburg.

v. Braunmühl, Geschichte der Trigonometrie. II.

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