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Verhandlungen des Ersten Internationalen Mathematiker-Kongresses : in Zürich von 9. bis 11. August 1897 / hrsg. von Ferdinand Rudio
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264 II. Teil: Wissenschaftliche Vorträge.

Elektrotechniker im Auge habe. Meine Auffassung in dieser Frageist die folgende:

1. Die Mathematik ist für den Techniker eine grund-legende Wissenschaft. Eine tüchtige Schulung in reiner Mathe-matik ist notwendig, um dem Techniker die erforderliche Sicherheit inihrer selbständigen Anwendung zu verleihen.

2. Der Schwerpunkt des Unterrichtes in angewandterMathematik falle in die technische Mechanik und technischePhysik, welche in vorzüglichster Weise mathematische Schulung mitpraktischer Anwendbarkeit verbinden und die wahren Grundpfeilerunserer wissenschaftlichen Ausbildung sind. Vermittelnde Fächer, wiedie theoretische Maschinenlehre an den mechanischen Abteilungen, ver-fallen leicht in den Fehler, den Studierenden entweder auf dem Ge-biete auch der einfachsten Anwendung zu bevormunden und ihn so inder Entwickelung eigener Initiative zu beeinträchtigen; oder sie ver-lieren sich in einer vom rein wissenschaftlichen Standpunkt zwar be-rechtigten, minutiösen Analyse, deren Formelapparat, um nicht zu sagenWust, aber den Studierenden verwirrt, und ihm den Überblick deslogischen Grundgerippes erschwert. Diese Disziplin sollte des-halb aufgeteilt werden und zwar so, dafs soweit sie noch Festigkeits-theorie einbegreift, diese an die technische Mechanik, die Thermo-dynamik an die technische Physik, die angewandte Thermodynamikund Maschinenlehre an die betreffenden Fachdisziplinen abgetretenwürden.

Es sei gestattet, nebenbei einen individuellen Vorschlag des Vor-tragenden zu zitieren, der darin besteht, die technische Mechanikdurch Aufnahme all der feststehenden Sätze der allgemeinen Physikzu erweitern, die zufolge ungezählter Verifikation nicht eines er-neuten experimentellen Beweises für den Hörer bedürfen, vielmehr alsallgemeine Sätze an die Spitze eines deduktiven Systèmes gestelltwerden können, wie etwa die Newtonschen Sätze in der Dynamik.Hiernach könnte der technischen Mechanik neben dem bisher behan-delten Stoff zufallen die Thermodynamik mit Einschlufs der Theorieidealer Gase und die Elektrostatik und Dynamik, sowie der Magnetismusidealer Körper. Diese Einteilung würde gestatten, dem Hörervon Anbeginn an den Begriff der Energie in seiner All-gemeinheit zu vermitteln.

Der technischen Physik verblieben dann vorzugsweise die Mefs-methoden und die experimentell-mathematische Erforschung neuer,technisch wichtiger Erscheinungen.

Hier ist nun der Ort, eine wichtige Einschränkung und eine