B. Vorträge der Sektionssitzungen.
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ernste auf folgenden Motiven beruhende Warnung vor Übertrei-bungen auszusprecben.
1. Die Techniker sind kein homogener Berufsstand wie die Juristen,die Mediziner und andere. Ein grofser Teil der Technikerschaft hörtim Laufe der Zeit auf, eigentlich technisch zu arbeiten, und mufs sich,den Anforderungen des Grofsbetriebes entsprechend, entweder der reinenVerwaltung oder der kaufmännischen Thätigkeit. widmen. In beidenFällen hört die wissenschaftliche Arbeit fast ganz auf; die Carrièreund der objektive Erfolg der Wirksamkeit auf diesen Gebieten hängenmit der technischen wissenschaftlichen Bildung des Betreffenden nursehr lose zusammen. Der klare, ungetrübte, praktische Blick, Menschen-kenntnis, Energie sind hier allein mafsgebend. Wir können diesenFachgenossen den Titel Techniker nicht absprechen, ihre Thätigkeitist für das Gedeihen der Technik ebenso unentbehrlich, wie die desKonstrukteurs , auch können wir den betreffenden Aspiranten den Zu-tritt zur Hochschule nicht wehren. Der intellektuelle Wert einertüchtigen mathematischen Schulung wird auch hier unbestritten bleiben,jedoch rein in logischer Beziehung. Wir dürfen uns nicht wundern,wenn diese gröfsere Hälfte der Abiturienten das ihnen an der Hoch-schule verabreichte Mafs an reiner und angewandter Mathematik fürzu hoch findet und statt dessen eher Vorträge über Verwaltungsrecht,Buchhaltung, Kostenberechnung und ähnliches in das Programm auf-genommen zu sehen wünscht. Man könnte glauben, dafs man diesenWünschen durch entsprechende Verlängerung der Studienzeit gerechtwerden könnte, allein mit seltener Einmütigkeit wendet sich eine grofseMehrheit der Docenten sowohl wie der Praktiker gegen die Tendenz,den Techniker noch länger als bisher auf der Schulbank zurückbehaltenzu wollen, mit dem Hinweis auf das bedeutend niedrigere Lebensalter,in welchem unsere englischen und amerikanischen Fachgenossen in diePraxis eintreten. Es sei als Symptom nebenbei erwähnt, dafs einewiederholte förmliche Abstimmung, die der Vortragende unter seineneigenen Studierenden veranstaltete, stets den Wunsch hervortreten liefs:es sei die Mittelschule zu kürzen und das Hochschulstudium zu verlängern.
2. Wenden wir uns nun zur kleineren Hälfte, zu den wirk-lich ausübenden Technikern. — Abgesehen von dem event. da-zwischentretenden Militärdienst, oder einer praktischen Thätigkeit inMaschinen Werkstätten etc. vergehen mehrere Jahre, bevor der jungeMann die Schwierigkeiten des Anfanges überwunden, Beweise seinerTüchtigkeit erbracht und eine einigermafsen selbständige Stellung sicherrungen hat, in welcher nun die Vorteile seiner allgemeinen Aus-bildung zur Geltung kommen sollten. Nichts wäre ihm erwünschter,