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Verhandlungen des Ersten Internationalen Mathematiker-Kongresses : in Zürich von 9. bis 11. August 1897 / hrsg. von Ferdinand Rudio
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B. Vorträge der Sektionssitzungen.

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Wirkungsbereiches spärlicher angebracht werden, als dies die Vorsichterheischte. Die üblen Erfahrungen, die dem in einer Illusion Be-fangenen nicht erspart hleiben, haben viele dazu geführt, das Kindmit dem Bade auszuschütten. So mufste sich die letzte Generalver-sammlung des Vereins deutscher Ingenieure mit dem Anträge befassen:es solle an den technischen Hochschulen eine obligatorische Vorlesungüber elementare Ingenieurmathematik und Mechanik eingeführt werden.*)Der Verein lehnte den Antrag, eingedenk der Aufgaben einer Hoch-schule, ab. In der That mufs man vom Techniker verlangen, dafs er:1. den Begriff einer Funktion kenne, 2. dafs er im stände sei, Infini-tesimalbetrachtungen korrekt durchzuführen. Allein der Antrag gabdoch zu einer heftigen Diskussion Veranlassung. Ich kann auf Grundeigener Beobachtungen konstatieren, dafs die übergrofse Mehrheit derTechniker in der Praxis die höheren und vor allem rein analytischenMethoden abstreift, um sich den elementaren oder den geometrisch-synthetischen zuzuwenden. Diese Scheu vor der Analysis wird demMathematiker von Beruf unbegreiflich erscheinen, vielleicht um so mehr,wenn wir eingestehen, dafs es so häufig schon das der Aufgabe fremdeKoordinaten-System und die bekannte Gruppe von Kosinus-Relationenfür Koordinaten-Transformation sind, die uns abschrecken. Die Schwierig-keit liefse sich umgehen, wenn man dem Rat eines bedeutenden Ge-lehrten folgte, invariant zu denken, ohne deshalb invariantrechnen zu müssen. Allein die Trennung dieser beiden erheischteine so souveräne Beherrschung des rechnerischen Apparates, wie siedem Techniker nicht zu Gebote steht. Da wo die technische Litteraturihre eigenen Pfade wandelt, hat sie sich denn auch ganz den synthe-tischen Methoden zugewendet. Beispiele hierfür bilden die graphischenMethoden in den Baukonstruktionsfächern, die Geschwindigkeitsplänedes Turbinenbaues, die Schieberdiagramme für Dampfmaschinen unddie sogenannten Vektordiagramme in der Elektrotechnik.

Ich möchte das Gesagte in folgendem Satz zusammenfassen:

Wenn wir lediglich die Rücksicht auf die praktische An-wendbarkeit walten lassen, so mufs zugegeben werden, dafsdie technischen Hochschulen in ihren reglementarischen Stu-dienplänen an mathematischen Disziplinen, insbesonderehinsichtlich der analytischen Methoden für die grofse Mehr-heit der Techniker zu viel, umgekehrt, wie oben nach-gewiesen, für eine kleine Minderheit zu wenig bieten.

Für den grofsen Durchschnitt kommen diese Disziplinen im Wesen

*) Vgl. Schweiz . Bau-Ztg. Bd. XXIX S. 147, Bd. XXX S. 15.