268
II. Teil: Wissenschaftliche Vorträge.
nur vermöge ihrer allgemein bildenden Eigenschaften in Betracht, undes kann die Folgerung nicht umgangen werden, dafs Kompromissenicht nur bezüglich ihrer Ausdehnung, sondern auch ihrer Methodenim Interesse einer harmonischen Gesamtausbildung geboten sind. EinHerabsteigen von der hohen Warte höchster begrifflicher Strenge zuden naiveren Anschauungen der ersten Begründer, ein möglichst früherÜbergang zu praktischen Anwendungen, vor allem aber ein langesVerharren bei den Grundprinzipien und eine weitgehende Einschränkungdes Umfanges nach oben hin wären etwa die Wünsche, die wir imInteresse jener grofsen Mehrheit der Techniker zu stellen hätten. Dafsbei der Feststellung des Umfanges vor allem die Ratschläge der be-treffenden Fachlehrer zu berücksichtigen sind, versteht sich nach Obigemvon selbst.
3. Die Opposition der Praxis fufst des weiteren auf folgendemGrunde: Es besteht ein wesentlicher Unterschied auch im wissen-schaftlichen Schaffen des Technikers und des Mathematikersoder Physikers. Es wird auf dem Gebiete des Maschinenwesens nie,oder nur in aufserordentlich vereinzelten Fällen gelingen, eine neueKonzeption auf den ersten Wurf in die Praxis umzusetzen-, kommendoch hier Einflüsse ins Spiel, die jedem wissenschaftlichen Ansätzespotten. Ein gutes Beispiel hierfür bildet der neueste Wärmemotor.Auf den unantastbaren Grundlagen der Thermodynamik fufsend, ent-warf Ingenieur Diesel einen Kreisprozefs und eine Wärmemaschine,die an Wirtschaftlichkeit alle bisher vorhandenen weit übertreffensollte.*) Ein Konsortium stellte dem Erfinder unbeschränkte Mittelzur Verfügung. Die ersten Autoritäten der technischen Wissenschafterkannten die Richtigkeit des Grundgedankens an. Es begannen dieersten Versuche, die fehlschlugen; Maschine auf Maschine wurde neuentworfen, Jahr für Jahr verging, und im Verlaufe dieses hartenRingens bröckelte ein Stück des Ideales nach dem anderen ab, eineKonzession um die andere mufste an die harte Wirklichkeit zugestandenwerden; eine gewaltige Summe verschwand, bis der erste betriebsfähigeMotor dastand. Und warum dies? Weil die Schwierigkeiten desSchmierens zu überwinden waren, weil es so lange ging, einen Ver-brennungsprozefs zu erzielen, der theoretisch leicht verwirklichbar er-schien. Vier mühevolle Jahre dauerte es, bis die Idee in Stahl undEisen gekleidet war, und das Verdienst des Maschinenbauers scheintmir hierbei nicht geringer, als das des ursprünglichen Erfinders.
Fälle dieser Art führten den mehr intuitiv arbeitenden Techniker