B. Vorträge der Sektionsaitzungen.
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zum bekannten Ausspruch: Probieren geht vor Studieren. DerAusspruch übertreibt mafslos, enthält aber ein Körnlein Wahrheit.Der Hinweis auf die Notwendigkeit des Versuches ist das Wahre anihm; die grofse Bewegung für Ingenieurlaboratorien basiert auf diesemleitenden Prinzip. Die experimentelle Forschung und die Mefskunde,auch wieder in Gestalt technischer, vereinfachter Methoden, erhaltenim Unterrichtswesen eine erhöhte Bedeutung, der für sie zu schaffendePlatz im Unterrichtsprogramm wird notgedrungen nur auf Kosten allerübrigen, also auch der mathematischen Disziplinen, zu gewinnen sein.
Nachdem im Obigen die Interessen der Majorität besprochenwurden, bleibt uns übrig, auch die Fahne der wissenschaftlich arbeiten-den, technischen Minorität hochzuhalten. Man pflegt die Mitgliederderselben als die Stabsoffiziere der Technik zu bezeichnen, welcherVergleich aber in mehrfacher Beziehung hinkt. Weder ist ihre öko-nomische Stellung gegenüber anderen Berufsgenossen eine bessere, nochauch fällt ihnen die Aufgabe ausschliefslich zu, die leitenden Ideenfür den technisch-strategischen Aufmarsch anzugeben; vielmehr wirdhäufig ihre ganze Vorarbeit durch Seitensprünge kecker Erfinder, diedann, um das Bild fortzusetzen, mit verwegenen Husarengeneralen zuvergleichen wären, zu nichte gemacht. Es ist Thatsache, dafs diewissenschaftliche Arbeit, es sei denn, dafs sie von hervorragenden Er-folgen begleitet ist, in der Praxis schlecht entlohnt wird, und ebendarum bildet die Minderheit, die ihr obliegt, gewissermafsen die Gruppeder technischen Idealisten. Merkwürdigerweise ist an den technischenHochschulen bis jetzt wenig für sie gethan worden. Vielfach begnügtman sich zu konstatieren, dafs ein junger Mann Talent und ernstesStreben zeige, und überläfst ihn seinem Schicksal mit dem Hindeuten,er werde schon von selbst seinen Weg finden. Gegen diese Auffassunghat der Verein der Ingenieure Stellung genommen in seinem Beschlufs,dafs die technische Hochschule zwar vor allem den Bedürfnissen desgrofsen Durchschnittes Rechnung tragen, dafs sie aber auch die Mittelfür die höchste wissenschaftliche Ausbildung derer gewähren solle, dieeine solche anstreben. Man kann diese Forderung nur aus vollemHerzen unterschreiben. Hier ist ein dankbares Feld für Aufklärungin höherem Sinn. Für diese Minderheit reicht der Umfang unseresnormalen Studienplanes nicht hin; sie ist bei Zeiten aufzuklären, dafsmit der Bewältigung der Elemente der höheren Analysis erst die Vor-halle eines herrlichen Gebäudes betreten ist. Für diese Bevorzugten,welchen auch die Güter schaffende Praxis im Dienste der Wissenschaftzu verharren gestattet, ist nichts zu gut, und sie sollten nicht, mitmehr oder weniger gelindem Druck, von der Schule abgedrängt