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II. Teil: Wissenschaftliche Vorträge.
haben Riccardi (1870—1894), Zebrawski (1873—1886) und Bierensde Haan (1883) vorzügliche Bibliographieen geleistet. Wer spezielldie neueste Litteratur zu kennen wünscht, findet in dem Jahrbucheüber die Fortschritte der Mathematik und für die letzten Jahreauch in der Revue semestrielle des publications mathématiquesgute Führer.
Indes ist es nicht zu leugnen, dafs die bibliographische Arbeitim Verhältnis zur Entwickelung der mathematischen Produktivitätzurückgeblieben ist. Diese Produktivität, wesentlich erleichtert durchzahlreiche Fach-Zeitschriften, von welchen die meisten in den letzten30 Jahren gegründet worden sind, hat jetzt eine Höhe erreicht, vonder man vor 50 Jahren nicht träumen konnte. Die Anzahl der jährlicherscheinenden Bücher, Abhandlungen und Aufsätze mathematischenInhalts beläuft sich jetzt auf etwa 2000, und während des letztenMenschenalters sind beinahe 50,000 neue Schriften hinzugekommen.
Mag es auch wahr sein, dafs nur ein Teil dieser Masse vonwirklichem Wert ist, so darf auf der anderen Seite bemerkt werden,dafs schon dieser Teil quantitativ sehr bedeutend ist, und jedenfallswäre es erwünscht, einen bibliographischen Leitfaden zu besitzen, umerfahren zu können, was auf jedem Gebiete der Mathematik geleistetworden ist. Sonst wird es immer öfter eintreffen, dafs Sätze oderMethoden für neue ausgegehen werden, welche schon früher vonanderen Forschern gefunden worden sind, uud auf diese Weise wirdmanchmal nur aus Unkunde grofse Mühe unnütz aufgewandt. Zwarwürde nicht einmal der Zugang zu den vortrefflichsten bibliographischenFührern diesen Ubelstand vollständig beseitigen, da ja neue Ent-deckungen auch in solchen Schriften niedergelegt werden, welche, seies aus sprachlichen, sei es aus huchhändlerischen Gründen, fast un-zugänglich bleiben, und da es immer Mathematiker geben wird, welchesich nicht die Mühe gehen werden, sich nach früheren Untersuchungengenügend in der Litteratur umzusehen. Aber -in den meisten Fällenwürde doch eine gute mathematische Bibliographie von unschätzbaremNutzen sein, nicht nur für die Forscher ex professo, sondern auchfür alle diejenigen, welche aus irgend einem Grunde die Resultate derwissenschaftlichen Arbeit der letzten Jahrzehnte kennen lernen wollen.In der That hat sich das Bedürfnis einer solchen Bibliographie mehrund mehr erkennbar gemacht, und trotz der grofsen entgegenstehendenSchwierigkeiten sind schon Arbeiten zu ihrer Abhilfe in Angriff ge-nommen, und in erster Linie sind zwei mathematisch-bibliographischeUnternehmungen zu besprechen. Die eine, das Repertoire biblio-graphique des sciences mathématiques, das von einer inter-