§. 54. Vorbemerkung über den antiken, mittelaltcrl. ». modernen Styl. 189
zeugen. Frankreich hatte es sich zum Ziel gesetzt, durch Menge sowohl, alsGüte der Gegenstände seine Suprematie zu behaupten, und es ist ihm diesin vielen Artikeln gelungen.
Eine dritte Schwierigkeit für eine richtige Beurtheilung bestand inder Unmöglichkeit, bei vielen der schönsten Artikel des OrientS die Epocheder Hcrvorbringung zu ermitteln, während die Namen der Vcrfcrtiger oft,einem Gebrauche des Orients zufolge oder absichtlicher Verschweigunghalber, nicht zu ermitteln waren. Dies war mit der Mehrzahl der vonder Ostindischen Kompanie und von Privatbesitzern und Händlern Chine-sischer Produkte eingelieferten Gegenstände der Fall, weshalb hier nur dieAussteller als Besitzer, nicht als Produzenten, für den Geist, mit dem siedie Sache ergriffen hatten, mit Medaillen bedacht werden konnten.
In Berücksichtigung dieser Schwierigkeiten — die noch obendreindurch die erhaltenen Instruktionen, wie die Gegenstände zu beurtheilenseien, um ein Großes vermehrt wurden — werden die Jury - Mitgliederfür ihre Urtheile die Nachsicht des Publikums nicht ohne Erfolg in An-spruch nehmen.
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Vorbemerkung über den antiken, mittelalterlichen undmodernen Styl.
Wir werden in diesem Berichte noch öfters Veranlassung finden,uns des Wortes „ Styl" zu bedienen, weil wir dadurch im Stande sind,mit einem Worte eine vollständige Idee von der Art der Auffassung einesWerkes und der Epoche, Nation oder Klasse, der es seine Entstehungverdankt, zu geben. Da es sich aber nicht erwarten läßt, daß die Mehr-zahl der Beschauer selbst Gelegenheit oder Zeit gehabt habe, über die ver-schiedenen bei Kunstwerken angewendeten Arten des Styles die erforderli-chen Studien anzustellen, so halten wir es für nöthig, um das Verständ-niß der Beschreibung der einzelnen Werke zu erleichtern, hier in der Kürzeeinige Bemerkungen über diesen Gegenstand vorauszuschicken.
Styl, so weit hier die Rede davon sein kann, äußert sich am ent-schiedensten in den Formen der Architektur. Letztere drückt dann auch denübrigen gleichzeitig entstehenden Kunstwerken ihren Charakter aus, ein Ge-präge , welches bei einer aus der höchsten Stufe der Kunstbildung stehen-den Nation bis zu den geringfügigsten Geräthschaften herab sichtbar wirdund eine allgemeine Harmonie hervorbringt. Das Wort Styl bedeutetdemnach in diesem Sinne das charakteristische Gepräge, woran man einKunstwerk erkennt und es einer bestimmten Zeit, Nation und Schule, inder es erzeugt worden, zutheilt, also gleichsam die Physiognomie desselben.Die unterscheidenden und charakteristischen Eigenschaften eines Styles ent-springen aus den jedesmal herrschenden göttlichen und menschlichen Ge-