Band 
Dritter und letzter Theil.
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XXIII Klasse. Arbeiten in edlen Metallen.

Mit der christlichen Religion stand jedoch die Kunst nicht in so nothwen-diger Verbindung, wie im Heiventhum: sie belebte und verschönerte nurden Ausdruck bestimmter Sinnbilder, wie das Kreuz, den Weinbau undWcinstock als Symbol des christlichen Wirkens und des Blutes Christi;das Schiff sür die Kirche; daS Lamm, wenn einzeln für Christus, wennin Mehrzahl für die Apostel; die Taube für den heiligen Geist; den Hirschsür die Seele, die nach lebendigem Wasser schreit; den Phönir für dieSeele nach der Auferstehung und verschiedene andere Symbole, die selbstbei den zierlichsten Ausführungen immer den Kern der Ornamentik bildeten.

Der Ziegelbau, der hier seine Entstehung fand, erhielt in den mitdem Byzantinischen Style verwandten, unter dem gemeinsamen NamenRomanisch begriffenen Bauarten, als der Lombardischen (8. bis9. Jahrhundert), der Normannischen (11.Jahrhundert) und zuletzt inder Germanischen seine vollkommene Ausbildung. Je mehr sich diechristliche Architektur nach dem Norden verbreitet, desto mehr gewinnt siean Leichtigkeit und Höhe, bis sie zuletzt in dem kühnen Spitzthurm endigt(< 8. bis 15. Jahrhundert).

In der Ornamentik werden die Anfangs einfachen spärlichen kon-ventionellen Elemente ins Unendliche verändert und der Natur immertreuer nachgebildet.

Die Saracenen benutzten alles bis dahin Vorhandene und ver-banden eö mit Geschmack in wohlgefälligen Verhältnissen. Auch sie zei-gen allen Reichthum im Innern, wo sich der ihnen eigenthümliche Hufei-senbogen, von schlanken Säulchen getragen, oft ins Unzählbare wiederholt.

Zum Wandschmuck dienen Nachahmungen lebloser Gegenstände,konventionell geformt, deren Theile mit geometrischen Linien reizendeMustcrgründe, in großwürflicher Mosaik, durch Farben und Relief darge-stellt, ein neues Element der Verzierung bilden. Ein anderes, gleich eigen-thümliches Ornament entsteht aus den reich verzierten und zierlich ver-schlungenen Inschriften, meist Sprüchen aus dem Koran , welchen zuletzt inSpanien sogar die verbotenen Abbildungen belebter Dinge hinzugefügtwurden.

So wie sich der Bvzanlinische Styl bis auf unsere Zeit im Russi-schen Reiche erhalten hat, so stehen mit dem Mahomcdanischen der inPersien, Armenien und einigen anderen Ländern noch jetzt gebräuchlicheBaustyl in enger Verbindung.

Im 1t. Jahrhundert, als die christliche Kunst in Italien neues Le-ben erhielt, entstand, mehr sür das Ornament, als für die Baukunst, einStyl, welcher von der Wiedergeburt der Kunst den Namen Renaissanceerhielt. Er nimmt zur Zeit des Giotto seinen Anfang und bildet sich fort,bis durch Ghiberti und Masaccio die konventionellen Formen verlassenwerden, von denen nur die symetrische Anordnung bleibt. Daraus gehthervor, daß das Wort Renaissance oft sehr unrichtig angewandt wird,indem man es mit einer viel später gebräuchlichen Verziernngöart ver-