Band 
Dritter und letzter Theil.
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§. 54. Vorbemerkung über den antiken, mittclalterl. u. modernen Styl. IgZ

wechselt. Letztere, der dritten Epoche der Italienischen Renaissance nichtunähnlich, nahm in Frankreich und England einen eignen Charakter anund wird richtiger mit dem Namen Cingue Eento (d. b. 1500) bezeichnet.Es besteht dieser Styl aus einer Wicderausnabmc (griechischer Formen,Italienischen Bedürfnissen angepaßt. Wir bemerken ein vollständiges Ver-ständniß der einzelnen Theile, eine systematische Anordnung und eine An-wendung aller neueren Bereicherungen, unter denen die seltsamsten Ver-bindungen von Menschen, Thieren und Pflanzen charakteristisch sind.Kein Ornament ist in diesem Style angebracht, was sich nicht völlig anseinem Ort, in bestem Verhältniß zum Ganzen und stets in schönen Liniensich bewegend vorfände. Für die ornamentale Kunst ist dieser Styl dasvollkommenste Vorbild und ist in dieser Richtung am weitesten nachgebil-det worden. Die Französische Renaissance hingegen, der EpocheFranz 1. angehörig, welche jetzt mehr als je von den Französischen Künst-lern angewendet wird, hat bei guter Hauptanlage des Ganzen und beistets vorzüglicher Technik doch einen zu starken Hang nach dem Bizarren,eine Neberladung in der Ornamentirung, eine Unterbrechung der Gliederund oft vernachlässigte Verhältnisse der einzelnen Theile unter sich. Die-ser letzteren Kunstrichtung hat Bcnvcnuto Eellini die Bahn gebrochen, allein,wie cS bei Nachahmungen zu gehen pflegt, den Nachahmern fehlte dasGenie des Meisters, welches bei allen Unregelmäßigkeiten seinen WerkenWerth und Reiz verlieh.

Wir kommen nun zu einem Style, der, wie der Herrscher, dessenNamen er trägt, über Europa lange Zeit eine despotische Gewalt aus-geübt hat und der in sehr wesentlichen Theilen von allen vorhergehendenabweicht, wir meinen den Styl Louis XIV . An die Stelle der Male-rei tritt in diesem Style das Helldunkel; Alles wird auf Licht und Schat-ten berechnet, die Anlage der architektonischen Maaße sowohl, als das zurVerzierung bestimmte Detail, in welchem die weißen Wände und das ver-goldete Stucco die Hauptelcmente bilden. Symmetrie ist jetzt nicht mehrwesentlich. Die ruhigen regelmäßigen Massen der Glieder der klassischenBaukunst, weit entfernt, durch ihre Einfachheit zu ergötzen, geben dem ver-wöhnten Geschmack keine Befriedigung mehr. Deshalb werden die Linienmuthwillig unterbrochen und stärkere Ausladungen angewendet, damit stär-kere Schatten entstehen. Etwas wahrhaft Königliches ist den besten Werkendieses Styles keineswegs abzusprechen. Auch dies verliert sich jedoch zurZeit der Regentschaft und unter Louis XV. fast gänzlich; eine förmlicheWuth, Reliefs überall anzubringen, tritt ein und die Symmetrie wird alsHinderniß völlig verbannt. Das Muschclwerk, die stark hervortretendenSimse, Blättcrgcwindc, Schilder und Cartouchcn in allen Richtungen,nur nicht, wo sie eine architektonische Form bilden würden, verbunden miteiner gänzlichen Vernachlässigung des Details und einer Sucht, immernur das Glänzende anzuwenden, bilden die charakteristischen Merkmaleeines Stylö, der sich leider gerade wegen dieser fehlerhaften Eigenschaften

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