Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
206
JPEG-Download
 

206 XXIII. Klasse. Arbeite» in edlen Metallen.

Auch I. Seentpetry aus Pesth hatte zwei sehr beachtenswerthe Arbeiten aus-gestellt. Es waren dies zwei Schilde in getriebener Arbeit, das eine mit der Schlachtbei Arbcla nach Le Brun ist aus Kupfer, das andere mit einer Gruppe von 217 Fi-guren, PornS und Alexander darstellend, ist aus einer Silberplatte getrieben.

Die in der Römischen Abtheilung ausgestellte Vase nebst Becken des Kapt.Leyland in vergoldetem Silber zog durch ihre Große und durch die Schönheit derForm sowohl als der Ornamentik die Aufmerksamkeit auf sich. Sie wird BenvenutoCellini zugeschrieben, und ist mit kleinen sinnigen Kompositionen und Ornamentenin Basrelief fast überreich verziert. Der Obertheil, die Henkel und Schnauze ent-halten ganz verschiedene Reliefs, und das Ganze macht eine außerordentlich guteWirkung.

§. 59.

Britische Corpus-Arbeiten.

In keinem Lande finden sich einerseits so viel Veranlassungen zu Ehrengeschenken,und eine gleiche Bereitwilligkeit, sie zu gewähren, als in England, in keinem Landesind aber wohl auch andererseits Stücke der Art im Allgemeinen unkünstlerischer, alshier. Der Grund der dabei vorwaltenden Geschmacklosigkeit liegt wohl darin, daßsie meist unter den Auspizien von Kommittee'S entstehen, uud daß deren Geschmackauch die besten Häuser Londons zu folgen gezwungen sind. Erst in neuerer Zeit istnamentlich bei den Preisen für Wettrennen ein Fortschreiten zum Besseren zu bemer-ken gewesen. Das Ehrengeschenk soll so viel und so deutlich als möglich die Veran-lassung, welche zu dessen Ertheilung Gelegenheit bot, ausdrücken, und dadurch kom-men oft in die Kompositionen unschöne und »»plastische Elemente, die sich nicht idca-lisiren ließen, ohne undeutlich zu werden.

Bei den besseren Erzeugnissen der Englischen Kunst, die unter diese Abtheilunggehören, war der Beistand, der von auswärtige» Künstlern geleistet worden, nicht zuverkennen. Wir machen in diesem Bezüge namentlich auf die von Hunt und Ros-k ell (London ) ausgestellte Vase in getriebenem Silber, den Kampf Jupiters mit denTitanen vorstellend, aufmerksam.

In diesem Werke hat der ausgezeichnete Künstler A. Vechte das Vortrefflichstegeleistet, was in solchem Umfange in edlen Metallen ausgestellt worden ist. Dasselbewar schon im Jahre 1849 in der Pariser Ausstellung zu sehen. Herr Vechte istseitdem von der Firma Hunt und RoSkell veranlaßt worden, nach London zuübersiedeln und seine Kunst für sie zu üben, wovon wir einen Beweis in dem un-vollendeten Schilde haben, dessen wir weiter unten ebenfalls spezieller erwähnen wer-den. Herr Vechte vereinigt alle Eigenschaften der besten Künstler und folgt inKomposition, Form und Kenntniß den Fußtapfen Michel Angelo's. Aber auch denGenius Raphaels weiß er aufzufassen, wie er in einem großen vasenartigen Gefäßevon Silber, die Amazcnenschlacht darstellend, bewiesen hat, was man längere Zeithindurch für ein Werk des 16. Jahrhunderts hielt. Einen gleichen Beweis lieferteer dafür durch einen für Herrn Montier Le Page in Eisen getriebenen kleinenSchild, welcher den Kindermord nach Raphael niit einigen eignen Zusätzen darstellte.

Auf der bereits erwähnten Vase ist oben Jupiter dargestellt, wie er, auf seinemAdler sitzend, erzürnt seine Blitze schleudert. Am Rand des Deckels sind in niedrigemRelief die Zeichen des Thierkreises angebracht. Ein gleiches äußerst niedriges Re-lief, worauf Zeit und Geschick sich verfolgend, in bewegten Stellungen dargestelltfind, läuft um den Hals des Gefäßes, und ähnliche finden sich unter den Henkelnund am Fuße der Vase vor, gleichsam einen Hintergrund zu den erhabener gearbei-teten Hanptscenen bildend, und das Ganze vervollständigend und belebend. Aus dem