Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
207
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Z. 59. Britische Corpus-Arbeiten. 207

Körper der Vase selbst steht man im hohen Relief die Riesengestalten der VermessenenTitanen, theils hingestreckt von herabgeschlcudcrte» Fclsblöcken und Baumstämmen,theils »och in den mannigfaltigsten Stellungen gegen den Donnergott ankämpfend.Innerhalb der Henkel stehen zwei Giganten i» völlig runder getriebener Arbeit, diemit wüthenden Geberden Drachen gegen den Adler Jupiters aufreizen.

Um den Fuß herum endlich liegen die Laster und die Vermessenheit hingestreckt.

Das ganze im etrurischen Style durchgeführte Prachtgefäß bietet dem Silber-schmiede vielfach Gelegenheit zum Studium und sollte ein Abguß desselben in keinerKunstschule, in keiner Werkstätte der Silberarbeiter fehlen. Eine Eigenthümlichkeit,die jedoch keineswegs zu empfehlen sein mochte, ist der doppelte Hals und Fuß dieserBase, wofür sich, so viel wir uns erinnern, unter den antiken Vorbildern, welchedieser Vase zum Muster gedient haben, kein Beispiel vorfindet.

Von diesem Werke, das der Künstler noch während seines Aufenthalts in Frank-reich gearbeitet, gehen wir nun zur Betrachtung eines von ihm in England verfer-tigten aber noch unvollendeten Ehrcnschildes, zur Erinnerung an Shakspeare, Mil-ton und Newton über. Derselbe ist anS Silber und Eisen getrieben, und enthältfolgende plastische Arbeiten:

Shakspeare, im Schiffe der Unsterblichkeit (!) sitzend, ist von Apollo und Mi-nerva umgeben. Letztere zeigt auf die Laster, die als greuliche Mißgestalten dieMenschen peinigen. Genien der Dichtkunst tragen Tafel», in welchen die berühmte-sten Werke des Poeten, dessen Genius durch einen sich aufschwingenden Adler ange-deutet wird, cingegrabcn sind. Um das Schiff, auf dessen Seiten man die siebenAlter des Menschen abgebildet sieht, schwimmen Syrenen, eine derselben mit denJnsignicn der Thorheit, und Eupido, auf einem Delphin reitend, deutet auf dieMacht der Liebe.

Die Scenen in dem eisernen Rande sind Hamlet entnommen, und stellen dieErscheinung des Geistes seines Vaters, seinen Gram über den Tod Ophelias, seineRache und seinen Tod dar.

In der zweiten Abtheilung erblickt man Milton, seiner Tochter „das VerlorneParadies" diktirend. Religion und Dichtkunst stehen ihm begeisternd zur Seite, wäh-rend hinter einem Schilde verborgen Satan lauscht. Am Fuße des verbotenen Bau-mes, um den sich der böse Geist des Widerspruchs windet, sehen wir die ersten Men-schen, im Begriffe, das göttliche Gebot zu übertreten, und oben schwebt eine GruppeEngel dem Paradiese zu, als wenn sie eilten, den Sündcnfall noch abzuwenden.

Die zu dieser Abtheilung gehörigen Randverzierungen sind: der Kampf desAbdiel mit dem Satan; Erzengel Raphael , die ersten Menschen warnend, und dieVertreibung aus dem Paradiese.

Das dritte Medaillon ist Newton gewidmet, welcher, in Betrachtung einer Welt-kugel versunken, die Wunder des Himmels anstaunt. Hinter ihm stehen Zeit, Wahr-heit und Weisheit, letztere Unwissenheit und Irrwahn zurechtweisend. Zur Rechtenist die Erde personisizirt, die ihre Kinder, Europa, Asia, Afrika und Amerika belehrt.

Hier ist im Rande die Entdeckung des Gesetzes der Schwere und die der Strah-lenbrechung dargestellt, und zwischen ihnen das Genie auf einem Wagen.

Die Mitte des ganzen Schildes nimmt eine Figur ein, in der der KünstlerKirnst und Wissenschaft zu versinnbildlichen versucht hat.

Das ganze geistreich erdachte Werk ist in seiner Auffassung so durchaus Eng-lisch , daß eS keiner anderen Nation angehören könnte, und es mußte uns räthselhasterscheinen, wie derselbe Künstler, der in seinen früheren Werken, dem Schilde desKindern,ords, der Vase des Jupiter und der Amazonenschlacht, ganz vorn Geiste Ra-Phael's und Michel Angelo'S durchdrungen zu sein schien, sich hier so ganz sei-ner selbst entäußerte, und den »»plastischen Geschmack und die Technik Englandsannehmen konnte. Zwar ist die Kunst, mit welcher die Schwierigkeiten des Werkes