208 XXIII. Klasse. Arbeite» in eblen Metallen.
überwunden worden, außerordentlich, aber die großen Medaillons sind unplastisch undarten oft ins Kleinliche aus.
Wir wollen hier, obgleich nicht ganz der Reihe nach folgend, noch eines anderenSchildes erwähnen, welcher von demselben Künstler, noch während seines Aufenthaltes in Frankreich , gearbeitet wurde, als es seine Aufgabe war, die Autorschaft deserwähnten Schildes mit der Amazonenschlacht im Berliner Museum, den man alsein antikes Kunstwerk betrachtet hatte, zu beweisen. Es ist dies der in der franzö-sischen Abtheilung von Montier Le Page ausgestellte Schild, worauf der Kindrr-mord, nach Raphaels Karton und nach dem Stich des Marc Antonio mit einigenfremden Zusätzen in getriebener Arbeit mit gleicher Knust dargestellt ist.
Fahren wir nach dieser kurzen Abschweifung mit der Betrachtung der von Eng-ländern ausgestellten Gruppen, Statuen und Tafelaufsätze fort, so haben wir zuvör-derst noch eines großen fünf Fuß hohen von der genannten Firma Hunt undRoskell gelieferten Tafelaufsatzes zu gedenken. Dieses Werk von reicher Kompo-sition ist im Style Louis XV. gearbeitet, obgleich es als dem Cinqucccnto-Styleungehörig bezeichnet ist. Das Mittelstück, welches eine große Vase trägt, ist miteinem Relief, Tag und Nacht vorstellend, geziert. Auf den vier Ausladungen desPlateau stehen die vier Jahreszeiten in voller Figur, durch mythologische Wesenrepräsentirt, und unter jeder derselbe» ist ein Viertheil des Thierkrcifes, ohne irgendeinen Jusammenbang unter sich, angebracht! Am Fuße des Stammes sieht mandie vier Wclttheilc mit den ihnen eigenthümlichen Thieren, und die Schale selbstwird von vier Figuren, welche die vier Elemente repräseutiren, getragen.
Dieses Stück, welches erst später zur Ausstellung eingesandt ward, macht einerühmliche Ausnahme von den anderen eingeschickten Artikeln gleichen Charakters.Die Figuren sind unstreitig bester, und obschon keins der Gewänder ein Motiv hat,so ist das Ganze doch mehr einer Komposition ähnlich und von gefälliger Form,wenn auch die Einheit fehlt und einzelne Theile, namentlich der Fuß, mehr architek-tonische Stärke bedürfen. Dasselbe ist, wie einige andere die sich Vortheilhaft aus-zeichnen, von Als. Brown gezeichnet und inodcllirt.
Wir können bei dieser Gelegenheit nicht umhin, nochmals im Allgemeinen aufden Charakter zurückzukommen, der sich an allen Englischen Arbeiten dieser Gattung,ja fast in allen zur Zierde dienenden Silbcrarbeitcn, die England liefert, mehr oderweniger ausgeprägt vorfindet. Die Mangel, welche wir hauptsächlich bei der Be-trachtung des vorstehenden Stückes zu rügen hatten, trage» dieselben fast alle ansich, nur daß sie meist entschiedener sich herausstellen.
In Hinsicht aus die Erfindung bemerken wir ein ermüdendes Nachjage» nachmythologischen, symbolischen und cmblcmatischcn Sinnbildern, mit sclavischer Nach-ahmung belebter und unbelebter Naturgegenstände. In Betreff des Geschmacks, einewahre Wuth, die Auswüchse der Kunst der letzten Jahre Ludwigs XV. anzuwenden,was besonders an den Füßen und Unterhitzen aller Art störend auffällt. In der Ar-beit selbst müssen wir eine mehr als gleichgültige Behandlung rügen — nur seltenbemerken wir eine gewissenhafte Vollendung — und ein unablässiges und peinlichesSpiel mit dem Matten und Polirtcn, welches nur zu oft von dem noch viel »»künst-lerischeren lrosting sein recht geeignetes Wort für dieses kalte Erzeugniß) unter-brochen wird.
So bleibt den» für die Englische Goldschmiedekunst noch beinahe Alles zu wün-schen übrig, man müßte denn in der Menge und dem Gewicht der gelieferten Ge-genstände, was allerdings bemerkenswerth war, einen Ersatz dafür finden wolle».
Das Haus R. und S. Garrard und Comp. (London ) hatte eine reicheSammlung schöner Arbeiten ausgestellt, welche in Verbindung mit den vorhergehen-den Artikeln den besten Begriff von dem Reichthum geben können, der in Artikeln