Band 
Dritter und letzter Theil.
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210 XXIII. Klaffe. Arbeiten in edlen Metallen.

Die Gruppe, den Tod der Lord Villiers z» Nonsuch vorstellend, nach Marochetti»gehört gleichfalls zu den am besten komponirten Kunstwerken, und die Scene, wie dertapfere Jüngling der Verrätherei erliegen muß, ist ergreifend aufgefaßt.

Für alle diese Arbeite», so wie für noch außerdem ausgestellte Schmucksachen,find die Herren Garrard für die große Verdienst-Medaille vorgeschlagen worden.

Den besten Ucbergaug zu den Arbeiten Französischen Ursprungs' bietet unstreitigdie zwar weniger zahlreiche, aber kostbare und sonst in jeder Hinsicht vortrefflicheAusstellung der Herren I. V. Morel u. Comp. (London ), denn nicht nur warHerr Morel selbst bis vor Kurzem in Frankreich ansäßig, sondern die mannigfaltigenausgestellten Arbeiten, obwohl in London verfertigt, sind auch ausschließlich von Franzö-sischen Künstlern ausgeführt worden.

Das Hauptstück, welches in die gegenwärtige Abtheilung gehört, ist eine Reiter-statue in getriebenem Silber, die Königin Elisabeth vorstellend, wie sie auf einemSpanischen Zelter nach der St. Paulskirche reitet, um dort das Dankgebet für dieVernichtung der großen Armada darzubringen. Die Statue ist 44 Fuß hoch undsomit eines der größten Werke, die noch in getriebener Arbeit vollendet wurden undwobei dennoch die größten Schwierigkeiten mit anscheinender Leichtigkeit überwundenworden sind. Weniger glücklich ist vielleicht die Wahl des Gegenstandes, besondersda ein Siegel zum Vorbild diente, welches man mit altzugroßer Treue nachgeahmthat; namentlich gab der gegenwärtig ganz ungewöhnliche, ja fast unbekannte Gangdes Zelters zu vielem, wenn auch unbegründetem Tadel Anlaß. Das Modell zudiesem Werke, das Cavelicr geliefert hatte, war, besonders das Pferd, ganz vortrefflich,und dasselbe war ebenso vorzüglich in Silber wiedergegeben.

Bei zwei anderen hierher gehörigen Werken, Mittelstücken für Tafelaufsätze, inwelchen man dem Style Ludwigs XV. die bessere Seite abzugewinnen gewußt, machenwir auf die Vorzüglichkeit der Arbeit, so wie auf die schönen Verhältnisse der Figurenaufmerksam, da diese zwei verdienstlichen Eigenschaften sonst den meisten übrigen Eng-lischen Arbeiten abzugehen Pflegen. Es steht jedoch zu wünschen und zu hoffe», daßdas Herbeiziehen so vieler geschickter ausländischer Techniker nach England, wie diesdurch die Firma Morel geschehen, eine» günstigen Einfluß auf die größere Vollendungder Silberarbeiten und auf eine bessere Modellirung der Figuren ausüben werde.

Auch an den von demselben Hanse ausgestellten Kandelabern müssen wir es alseinen besonderen Vorzug erwähnen, daß die Tillen, die in den meisten Fällen einnothwendiges Uebel, hier als eine besondere Zierde zu betrachten sind, und wollenschließlich noch einer schönen silbernen Vase im Style Albrecht Dürers mit ciselirtcrSchweinsjagd und Eichenkranz als einer vorzügliche» Arbeit gedenken.

Wir werden später noch mehrmals Gelegenheit haben, auf dieses Haus zurück-zukommen, und da Herr Morel sich in jedem der verschiedenen Fächer der Golvschmiedekunst als Mann von reinem Geschmack und als vollendeten Meister gezeigt,so war es natürlich, daß ihm von der Jury einstimmig die große Verdienstmedaillezuerkannt wurde.

Wir kommen nunmehr zu eiuer Reihe meist kleinerer Artikel, als: Vasen, Scha-len, Teller w. im Style des 16. Jahrhunderts, die wir, so weit sie nicht in Kl. XXX.zur Beurtheilung gekommen sind, hier betrachte» wollen, und die sämmtlich zu denvorzüglichsten Werken in ihrer Art gehören. Unter denselben zeichnet sich namentlicheine der Großfürstin von Rußland gehörige Schale von Orientalischem Achat Vor-theilhaft aus. Die Schale selbst, der Stamm und Fuß sind von OrientalischemAchat, die Verzierungen, die reichen Arabesken, Wappen und zwei auf den Henkelnsitzende Vögel in Email. Das Ganze macht durch seine gefällige Form den ange-nehmsten Eindruck, und an Einfachheit und Schönheit konnte ihm unter all' der rei-chen Auswahl der gleich kostbaren Gegenstände keines an die Seite gestellt werden.Wäre es nicht bereits Privateigenthum gewesen, so hätte man nicht unterlassen sol-