Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
213
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§. 60. Französische Corpus-Arbeiten. 213

>) Festons find der erste Schritt zum Barocken. Keine klassische Vase hat An-hängsel dieser Art; feste Standkörper dürfen dergleichen nicht haben.

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Französische Corpus-Arbeiten.

Noch kann keine Nation der Französischen den ersten Rang in Hinsicht des Ge-schmacks und der Anzahl der geschickten Arbeiter streitig machen. Der Bericht würdedaher endlos sein, wenn sich die Beurtheilung nicht auf das Vorzüglichste beschränkenwollte. Wenn es als der sicherste Beweis für den hohen Standpunkt, den eine Na-tion in der Kunst einnimmt, gilt, nicht daß es einzelne ausgezeichnete Meister einesFaches gebe, sondern daß es keinen gebe, der schlecht arbeite — so ist dies hier derFall. Nehme man irgend ein Kunstwerk des Französischen Goldschmieds oder denunbedeutendsten Gegenstand der Quincaillerie — der Geschmack desselben mag viel-leicht ausschweifend sein, aber jedenfalls ist der Gegenstand mit Gewandtheit gear-beitet und in seiner Art vollendet durchgeführt. Was aber die Französischen Silber-arbeiten am meisten, namentlich vor den Englischen auszeichnet, sind die guten Pro-portionen und öfters die Schönheit der an denselben angebrachten menschlichenFiguren.

Paris ist die hohe Schule der Goldschmiedekunst und war es während der letz-ten drei Jahrhunderte. Nirgends giebt es so gute Zeichner, so vortreffliche Model-leurs oder so verständige Arbeiter, von denen jeder im Stande ist, selbst zu urtheilenund, wenn nöthig, selbst zu zeichnen und zu modelliren. Dadurch hat Frankreich ,d. h. Paris , einen ausgebreitete» auswärtigen Absatz seiner Artikel sich erworben,aber diese Hauptstadt hat auch selbst einen größeren eignen Bedarf an Lnrusgegen-ständen, als irgend eine andere. Dieser letztere Umstand ist von bedeutendem Ein-fluß auf die Richtung der Fabrikation und erklärt manche Seltsamkeiten, die außer-dem kaum zu entschuldigen wären. Die wechselnde Mode in Paris verlangt näm-lich stets etwas Neues, was zugleich schön sein soll; da aber diese beiden Eigen-schaften nicht immer sich verbinden lassen, so wird ost die Schönheit der Neuheitgeopfert und das Originelle artet in das Bizarre aus. Ganze Schaaren von Zeich-nern eristire» dort, welche stets neue Entwürfe machen, die, wenn sie in Paris Bei-fall finden, als Vorbilder und Muster publizirt werden und in das Ansland gehen.

Es ist um so auffallender, daß die Französischen Gegenstände in dieser Branchesich fortwährend durch Neuheit, Reichhaltigkeit und inneren Werth auszeichnen, dadie inneren Unruhen in diesem Lande seit mehreren Jahre» auf diesen Kunstzweigjedenfalls einen ungünstigen Einfluß ausüben mußten.

Wir beginnen mit der reichhaltigen Ausstellung der Herren Froment-Meurice (Paris ) und unter derselben wieder mit dem großen Tafelaufsatze in getriebe-ner Arbeit, dessen Gegenstand der Vers des Terenz: »8>n« Lerere et Laccko lügetVenus» zu Grunde gelegt ist und dessen erleuchteter Eigenthümer, der Herzog vonLuyneS, einen wesentlichen Antheil an der Komposition genommen.

BachuS, Ceres und Venus, letztere in Begleitung Amors, stehen auf einer Welt-kugel, in welche die Erdtheile und mehrere allegorische Figuren gravirt sind und welchevcm Thierkreise umgeben und von Genien des Ueberfluffes, der Harmonie und derLiebe umschwebt wird. Getragen wird sie von vier männlichen und weiblichenGiganten, deren Körper in kämpfende Schlangen ausgehen (wie sie Hesiod beschreibt)und die auf einem Sockel ini Style des löten Jahrhunderts stehen.

Die ganze Gruppe besteht aus elf Figuren, die nach I. Feuchöres Modellenim Laufe von drei Jahren, in getriebener Arbeit vollendet wurden. Daß zur Voll-endung dieses Werkes ein so langer Zeitraum erforderlich war, wird erklärlich, wenn