Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
215
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§. 60. Französische Corpus-Arbeiten. 215

Noch erwähnen wir eines Schildes in getriebenem und gegossenem Metall mitKompositionen, die auf Pferdezucht und Wettrennen Bezug haben. In der Mitte siehtman Neptun, die Seepferde zähmend, umgeben von vier Basreliefs: das wilde Pferd,das Neitergefecht, das dressirte Jagdpferd und die Rennbahn von Chantilly vor-stellend.

Eine große Anzahl sehr verdienstlicher Arbeiten, die mehr oder weniger in dieseAbtheilung gehören, müssen wir unerwähnt lassen. Die herrlichen Juwelierarbeitendesselben Hauses werden später ihre Würdigung finden.

In allen diesen Werken hat sich Herr Meurice als vollendeter Künstler vonorigineller Auffassung, feinem Geschmack, tiefen Studien und geübter Hand bewährt.

Marrel, Gebr. (Paris ), die für ihre ausgestellten Werke mit der großen Me-daille belohnt wurden, hatten nur einen großen Aufsatz ausgestellt, während eineMenge anderer von ihnen gelieferten kleineren Artikel ihren unendlichen Fleiß undfeinen Geschmack bekundeten. Das größere hierher gehörige Stück ist eine Vase mitdem Kampfe des Theseus gegen die Amazonen nach dem bekannten Bilde des Rubens .

Die Aufgabe, die Seele, welche das Ganze belebt, die deutlich ausgedrückteKampfeswuth des Originals in dem widerspenstigen Material« wiederzugeben, botgewiß keine geringen Schwierigkeiten dar. Allein diese Schwierigkeiten sind glücklichüberwunden worden, und das spröde Metall hat sich gleich biegsamem Thon derHand des Meisters gefügt. Dieses Relief ist in versilberter Bronze, während dieVase selbst aus vergoldeter Bronze besteht. Sie ist im Style Louis XIV. gehalten,mit dem Wappen des Ilnc ü'^umalo geziert, und die stattlichen Henkel bilden Ama-zonen, auf Seepferden reitend.

Auch alle übrigen hierher gehörigen Artikel des Herrn Marrel sind vortrefflichausgeführt und können als Vorbilder in Betreff des Geschmacks und der Arbeit die-nen, so einige steinerne Schale», in Gold gefaßt, mit Email und Edelsteinen, zweiSchalen mit vielen Figuren in Basrelief aus getriebenem Silber, aber besonderssind die kleineren getriebenen und ciselirten Arbeiten, als Flacons, Degengriffe,Bucheinbände und Briefbeschwerer von unübertrefflicher Vollendung. Wir heben ausletzteren nur ein Stück hervor, nämlich ein Flacon mit Bachns und Ariadne ganzaus Gold ciselirt, als ei» Meisterstück in Eleganz und Arbeit. Ein sehr vollstän-diges Reise-Etui desselben Meisters wird weiter unten Erwähnung finden.

Die Ausstellung von Rudolphi (Paris ) war sehr mannigsaltig. Die großeMedaille, welche er (jedoch nicht ohne Widerspruch) erhielt, verdankt er namentlicheinigen von ihm gelieferten Tischen und einem Reliquienkästchen.

Auf dem einen dieser Tische ist der Triumph der Amphitrite nach einem Modelldes jüngst verstorbenen Wagner dargestellt — nach welchem Künstler auch noch einTisch mit den, Najadenkopfe in der Ausstellung war. Drei Ovale umgeben dasMittelbild, in welchem eine Gruppe des HylaS mit Najaden und Tritonen dargestelltist, der äußere Rand ist mit Vögeln, Masken -c. geziert. Der Fuß stellt einen Rohr-stamm vor, mit einem Vogel, welcher von betrunkenen Bachuskindern aufgeschrecktwird, eine Gruppe, die von Geofroy de Chaume ganz hübsch gezeichnet undderen Arbeit vortrefflich ist, die aber etwas ins Kleinliche fällt. Der ganze Tisch istvon Silber getrieben und von Pour ciselirt. Bei der Anordnung des Ganzen müs-sen wir zuerst die Mischung und falsche Anwendung des gewählten Styls rügen,da so klassische Gegenstände nicht mit einer Renaissance-Einfassung umgeben werdensollten, ein Verstoß, den die vorzügliche Arbeit nicht wieder gut machen kann, unddann haben wir zu tadeln, daß der stachliche Fuß und die kleinen Details desselbendas Meubel selbst für den Gebrauch ungeeignet machen müssen, und daß in denselbeneine Mühe verschwendet worden ist, die niemals Anerkennung finden kann.

Eine Schüssel desselben Ausstellers, mit den Musen auf dem Parnaß, in Haut-relief, in klassischer Haltung, hat viel Verdienst, wenn auch zu rügen ist, daß fast