216 XXIII. Klasse. Arbeiten in edlen Metallen.
alle Köpfe der Figuren schlecht auf der» Halse sitzen. Der Rand der Schüssel mitgravirten Verzierungen zeigt ferner, wie wenig die Zusammenstellung derartiger gra-virter Arbeiten mit Hautreliefs und überhaupt mit Relief« an demselben Stücke har-monirt — ein Mißgriff, den wir an den Werken der vorzüglichsten Französischen Aus-steller wiederholt zu bemerken Gelegenheit hatten, den sich aber kein guter alter Mei-ster zu Schulden kommen ließ.
Noch eine andere Schüssel für Rosenwaffer nach Wagner ist von eleganterZeichnung, von guter getriebener Arbeit und ziemlich bedeutender Größe und Tiefe(zwei Fuß Durchmesser). Es ist darauf der Triumph der Amphitrite vorgestellt undder breite Rand enthält eine Verzierung von Delphinen und Masken.
In einer Menge kleinerer Artikel, deren spezielle Beschreibung wir hier über-gehen müssen, obgleich sie einer solchen wohl würdig gewesen wären, hat sich Ru-dolphi ebenfalls als geschickten Künstler bewiesen, und bei Betrachtung der Email-und Bijouteriearbeiten werden wir nochmals auf ihn zurückkommen, da derselbe indieser letzteren Branche seine besonderen Verdienste hat.
DaS HauS Guyeton (Paris ), bekannt wegen seines ausgebreiteten Handels,bietet die mannigfaltigsten Artikel, unter denen namentlich die durch Galvanoplastikerzeugten eine nicht unbedeutende Stelle einnehmen. Unter den in diese Abtheilunggehörigen erwähnen wir besonders ein Gefäß oder Preis für ein Wettrennen, in ge-gossenem Silber und ciselirt, welches in sieben Medaillons die Reiterübungen derAlten und des Mittelalters »nd die Wettrennen unserer Zeit darstellt. Zn der Mittesehen wir die Erziehung des Achilles, und am Fuße Gruppen wilder Pferde.
Auch einige Figuren in Silbergnß sind bemerkenswerth, namentlich die Gruppein ein Viertheil Lebensgröße, ein Sklave mit einem sich bLumeudeu Pferde darstel-lend, und eine Statue Sr. K. Höh. des Prinzen von Wales als Matrose, nach dembekannten Bilde von Winterhalter.
Erwähnung verdienen ferner einige Schmuckkästchen in Silber, mit Edelsteinenbesetzt, die meist gut gezeichnet und sauber gearbeitet waren, und unter denen sichnamentlich eine mit einer kleinen Statue, einer Griechin, auszeichnete, die sich mitHülfe eines Amorin ihren Ohrenschmuck anlegt. Diese Schmuckkästchen sind eineSpezialität des genannten Hauses. Auf die mit ausgestellten verzierten Waffe» wer-den wir später zurückkommen.
Herr Guyeton, der sich durch seine Gesammtausstellung als geschickter undunternehmender Künstler bewährt hat, wurde für die große Medaille empfohlen.
F. Durand' (Paris ), den wir später noch einmal, bei Besprechung der Thee-service, rühmlich zu erwähnen haben werde», hatte auch ein sehr verdienstvolles Mit-telstück mit Kindern, die Jahreszeiten darstellend,' und ein Preisgefäß für Wettrennenin vergoldetem Silber mit Basrelief-Darstellungen von Turnieren, Karroussels ,c.ausgestellt, an welchem nur der Fuß, der daran angebrachten Trophäen wegen, schwer-fällig ist und einen störenden Eindruck macht. Die Henkel bilden zwei mächtigeZäume, von «erhältnißmäßig kolossalen Viktorien gehalten, und Jockeys, Pferde bän-digend, springen aus der Oeffnung des Gefäßes an den Zäumen hervor.
F. Kirstein aus Straßburg , der das schöne Talent seines Vaters ererbt hat,und sich eben so sehr als Bildhauer und Medailleur, wie als Goldarbeiter auszeich-net, hat einige kleine mit unendlichem Fleiß getriebene und ciselirte Jagdstücke ein-gesandt, deren Verdienst anerkannt wurde.
Außer den vorstehend aufgeführten Häusern haben noch viele von den größere»Pariser Atelier« verdienstliche, hierher gehörige Arbeiten eingeschickt; da die ihnenzuerkannten Preise sich jedoch mehr auf ihre „Artikel zum täglichen Gebrauch" bezo-gen, so wird ihrer auch erst weiter unten in der jene Gegenstände behandelnden Ab-theilung Erwähnung geschehen.