Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
217
JPEG-Download
 

tz. 61. Russische Corpus-Arbeiten.

217

§. 61 .

Russische Corpus-Arbeiten.

Rußland, das sich in der Goldschmiedekunst eben so wie in allen andern Kunst-und GewerbScrzeugnissen rühmlich hervorgethan hat, lieferte vortreffliche Arbeitendieser Art.

Zu den elegantesten und zugleich bedeutendsten Arbeiten gehörte das von Sazi-koff in Moskau ausgestellte Mittelstück für Tafelaufsätze, dessen Gegenstand derRussischen Geschichte entnommen ist. Am Fuße eines großen Tanneubaumes sinktder zum Tode verwundete Großfürst Dimitry Donskot) nach der Schlacht von Kou-likaff nieder, während seine Kampfgenossen ihm die Nachricht vom erfochtenen Siegebringen.

Die Komposition dieser Gruppe, so wie Baum und Fuß ist ausgezeichnet. DieArbeit ist kunstreich und in gewisser Breite gehalten, die Ciselirung fleißiger als ge-wöhnlich, und das ganze Werk verräth den talentvolleu Künstler, weshalb letztererauch hauptsächlich in Bezug darauf für die große Medaille vorgeschlagen wurde.

Dasselbe Haus hatte jedoch auch noch außerdem eine reiche Auswahl originellerGefäße, Figuren und nationale Gruppen eingesandt, welche eben so charakteristischaufgefaßt, als scharf, entschieden ausgearbeitet waren. Es finden sich unter denselbenByzantinische, Russische und Renaissance-Formen, eine reiche Phantasie giebt aberallen ein originelles, frisches Ansehen. Wir machen namentlich unter den Gefäßenauf einen eigenthümlichen silbernen Pokal aufmerksam, auf dessen Deckel ein gekrön-ter Löwe als Schildhalter angebracht, und dessen Fuß mit sehr fleißig gearbeitetenvergoldeten Widderköpfen verziert ist. Ein anderes, ungefähr 18 Zoll hohes Gefäß,in der sonst so beliebten Form der Ananasfrucht, mit dem Kaiserlichen Adler auf derSpitze, ist vorzüglich getrieben. Nur der Fuß — ein Baumstamm, auf dessen Spitzeein Knabe, nach einem kleinen Vogel schlägt — ist nicht glücklich, indem er gegendas architektonische Prinzip verstößt.

Wir müssen des Raumes wegen, der uns zugemessen, es uns versage», alle dienoch außerdem vorhandenen Trinkhörner, Krüge, Schalen für Kirchendienst, eine sehrzierliche Handklingel u. s. w. näher zu beschreiben, so sehr diese Gegenstände aucheine genauere Betrachtung verdient hätten.

Unter den Figuren können wir jedoch nicht umhin, zwei besonders zu erwähnen,die durch ihre Originalität die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Es ist dies ein Land-mädchen, welches, auf dem Rande eines Brunnens sitzend, sich im Wasser spiegelt.Dieses zierliche Stück kann, wenn umgekehrt, als Trinkgesäß dienen. Ein andresgleich originelles Stück ist ein Mädchen, welches sich an ein Faß lehnt, aus welcheme« Bier abzieht. Eine Katze klettert hinten am Fasse in die Höhe. Dieses scheinbarnur zur Zierde gemachte Stück kaun zugleich als Theekanne benutzt werden. DasFaß kann nämlich den Trank aufnehmen und die Schnautze wird dann durch darzum Auffangen des Bieres bestimmte Gefäß gebildet. Wahrhaft treu ist auch ineiner andern Gruppe die Freude eines Russischen Bauern wiedergegeben, der einenHasen gefangen, und ihn in knieender Stellung an den Löffeln und Läusten emporhält und gleichsam wiegt. Endlich sind noch zwei Kandelaber in Silber, Eichstämmemit spielenden Bären vorstellend, von verdienstlicher Arbeit.

Theodor Verkovzosf (St. Petersburg ) hat einen vorzüglich schön getriebe-nen Bucheinband in getriebener und ciselirter Arbeit ausgestellt. Eine KreuzigungChristi in der Mitte, umgeben von den vier Evangelisten in den Ecken, oben GottVater, und die Propheten in den Feldern um die Kreuzigung. Der Einband ist fürein Neues Testament bestimmt. Der Grund ist vergoldet und die ziemlich hohen(zwei und drei Zoll) Figuren sind von Silber.