218 XXIII. Klasse. Arbeiten in edlen Metallen.
§. 62.
Niederländische Corpus-Arbeiten.
Mit Bedauern haben wir eine reichere Einsendung von Artikel» dieser Klaffeaus den Niederlanden verniißt , die uns eine vollständigere Idee über den gegenwär-tigen Zustand der Goldschmiedekunst in diesem Lande, wo stets eine gute Schule eri-stirt hat, zu geben geeignet gewesen wäre. Denn nur durch einen Aussteller warendie' Niederlande hinsichtlich der Gold- und Silberarbeiten vertreten.
I. M. van Kempen aus Utrecht hatte zugleich mit den von ihm ausgestelltenArtikeln, die von guter Arbeit und feinem Geschmack zeugten, eine kleine Druckschrift:„über die Formen der Gold- und Silberarbeiteu,"') ausgegeben, in welcher er nach-weist, daß bei jeder Nation und in jeder Epoche die derselben eigenthümliche Archi-tektur auch für den Geschmack und Styl der anderen Kunstzweige maßgebend gewe-sen sei. Nach den in seiner Schrift gegebenen fünf Hauptepochen hat derselbe auchseine ausgestellten Werke, wodurch er diese Kunstepochen zu repräsentiren beabsichtigt,in fünf Klaffen, die des Griechischen, des Gothischen Styles, des Styles der KöniginElisabeth, Louis XIV. und Louis XV. eingetheilt, ohne jedoch anzugeben, warum erden Byzantinischen, den lünguecento-Styl und andere von gleicher Wichtigkeit ganzunberührt gelassen hat
Als Beispiel des antiken Griechischen Styls hat Herr van Kempen eineFruchtschale eingesendet, und mit Recht auf Werke dieses Styls, als das Vorbildalles Schönen anfmerksani gemacht.
Für den Gothische» (Germanischen) Styl bietet derselbe einen in Silber getrie-benen Pokal zu Ehren der Familie Oranien und Nassau. Sechs Haupthelden der-selben stehen unter Nischen um de» Körper des Pokals, und den Deckel ziert dieStatuette des Deutsche» Kaisers Adolph von Nassau. Zwei Rauchgefäße sollen zurferneren Illustration dieses Styles dienen.
Zur Einführung der Arbeiten im Renaiffancestyl giebt Herr van Kempen An-sichten über die Renaissance, den tunguocont» und den Elisabcthischen Styl, denen wirnicht ganz beistimmen könne», da die Renaissance eben so entschieden, wenn auchnicht so auffallend vom lllnguecout« abweicht, als der Styl Elisabeths. Zur Erläu-terung seiner Ideen hat der Aussteller fünf Gegenstände, nämlich ein Juwelenkästchen,zwei Pokale und zwei kleine Schüsseln geliefert.
Der Styl Louis XIV. ist durch ein Theerservice und eine Klingel repräsentirt.
Um endlich den Unterschied zwischen dem vorhergehenden und dem StyleLouis XV. klar darzuthun, sind dieselben Gegenstände nochmals im Style Louis XV. wiederholt.
Wir habe», des Zusammenhanges und besseren Verständnisses wegen, hier gleichsämmtliche Arbeiten des van Kempen zur Beurtheilung gezogen, obgleich sie, mitAusnahme des Pokales, eigentlich iu spätere Abtheilungen gehören. Wir werdendeshalb nicht mehr auf diesen Künstler, dessen ernstes Streben übrigens alle Aner-kennung verdient, zurückkommen.
') Observations sur lcz lormes stcs ouvrazes ck'orkövrerio.
§. 63.
Von W. Walkinshaw (Hong Kong ) ist ein Wettrennenpreis ausgestellt, wel-cher ini Jahre 1850 in Hong Kong gewonnen wurde. Er ist unter dem Namenteleslial kup im Kataloge aufgeführt, und hat mit Europäischen Arbeiten dieser