Band 
Dritter und letzter Theil.
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220
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220 XXIII. Klasse. Arbeiten in edlen Metallen.

Vereinsstaaten die Ausstellung beschickt hat, ist unerklärlich. Leider waren auch diewenigen eingesandten Artikel nicht so vorzüglich, daß ihnen unsere Anerkennunghätte zu Theil werden können. Sie waren meist leicht und flüchtig gearbeitet, undhatten überhaupt das Ansehe», als sei die Billigkeit des Preises bei ihrer Anfertigung dieerste, wenn nicht die einzige Bedingung gewesen. Dies sollte aber bei Luxusartikelnam wenigsten der Fall sein. Müsse» aber, um den Schein zu bewahren, einmalLuruSartikel ohne inneren Werth für geringes Geld angeschafft werden, so könnteman nur die Nachahmung der Artikel des Französischen Hauses M. Fray anempfeh-le» , welches durch eine ganz besondere Bearbeitungsweise, die es möglich macht. Ge-schirre von reinem Silber fast so wohlfeil, als plattirte Waaren, zu liefern, einensehr bedeutenden Absatz im Auslande erlangt hat.

3. Frankreich

hat in diesem Artikel einen eben so großen Bedarf im Jnlandc, al« einen ausgebrei-teten Handel mit dem Auslande. Auch für Gegenstände des täglichen Gebrauchesist in Paris das Erforderniß von guter Arbeit so allgemein verbreitet, daß man sa-gen kann, daß aus den Ateliers der Pariser Silberschmiede nichts schlechtes, ja nichtsmittelmäßig gearbeitetes hervorgeht. Diese Allgemeinheit vortrefflicher Arbeit ist es,welche einer Nation den Ruf der Kunstbildung sichert. Anders verhält es sich mitden, dabei gezeigten Geschmack, der hier nicht überall gut zu nennen ist, und an demman sogar manche Ausschweifungen rügen möchte. Der Styl Ludwigs XV. wird zuhäufig, ja fast durchgängig mit seiner Ueberfüllung der Ornamente angewendet, dieoft die Hauptfori» kaum erkennen lassen und die Gerätbe selbst für den täglichen Ge-brauch unbequem mache».

Bei Aufzählung der einzelnen Aussteller und Artikel müssen wir zuerst^

Odiot (Paris ) erwähnen, dem für seine reichhaltige Sammlung aller ArtenTafelgeschirre die Preismedaille zuerkannt wurde. In der Mitte derselben befindensich siuch einige Tafelaufsätze. Alle seine Artikel sind von Silber und theilweise ver-goldet. Sie nähern sich mehr dem Gesibmack Englands, für dessen Markt sie zugleichbestimmt sind, denn dieses Haus, das älteste in Paris , hat einen ausgebreiteten Han-del mit dem Auslande. Unter den größeren Stücken zeichnet sich eine Vase mitMeergöttern, von äz Fuß Höhe, und ein Mittelstück mit einer Wildschweinsjagd aus.Ein vollständiges Tafclservice ist aufs reichste ciselirt und mit verschiedenen der Be-stimmung der einzelnen Gerüche entsprechenden Verzierungen von Wildpret, Fischenund Gemüsen versehen, die zwar trefflich gearbeitet find, denen wir aber hinsichtlichdes Geschmacks nicht ganz unsern Beifall geben können. Noch bemerkten wir einensilbernen Teller für Kastanien mit gut nachgeahmter zusammengelegter Serviette undferner Messer, Gabeln und Löffel von mannigfaltigen und schönen Formen.

Marrel zeichnete sich in dieser Abtheilung durch zwei Türkische Kannen für Ro-senwaffer aus, die sehr frisch gearbeitet sind.

Fray (Paris ), welcher nach Odiot vielleicht den stärksten Absatz nach dem Aus-lande hat und dessen Spezialität darin besteht, „durch Leichtigkeit ausgezeichnete Waarenvon reinem Silber für den billigsten Preis zu liefern", hat auch zu dieser Ausstellungseinen Beitrag geliefert. Sein Silberzeug ist der Gegensatz des Englischen, dort Masseund großentheils schwerfällige Formen, hier Leichtigkeit und Eleganz.

-t. Rußland.

Aus Rußland finden sich, als von Aga Melik Mahomed Hadji UssufOgli aus Baki im Gouvernement Shemakha eingesandt, unter andern niedlichenArbeiten auch silberne Tischbestecke (Messer und Gabeln), gut und gefällig, bei etwasdürftiger Zeichnung mit Niello verziert, die wir weiter unten, wen» wir vom Niellosprechen, noch speziell erwähnen werden.