Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
229
JPEG-Download
 

229

§. 68. Galvanoplastische Erzeugnisse aller Art.

niederschlägt. Im Verhältniß, als sich der Kupferniederschlag vermehrt,- verzehrt sich das Zink, weshalb man, bis der Niedcrschlag die gewünschteTicke erreicht, nach Befinden Kupfervitriol und Zink erneuern muß.

Dies ist die ursprüngliche einfache Methode, um galvanoplastischeGegenstände zu erzeugen, wie sie von dem Erfinder M. I. Jacob! (1839)vorgeschrieben wurde. Später, als diese wichtige Erfindung aus denLaboratorien des Gelehrten in die Werkstätten des Fabrikanten und Künst-lers überging und im großen Maßstabe ausgebeutet wurde (wie dies unterandern namentlich von Elkington und Masvn, die in England einPatent darauf nahmen, geschehen), wurden zwar mannigfache Verände-rungen und Verbesserungen in der Vcrfahrungswcise angebracht, ihreHauptgrundzüge blieben aber die nämlichen.

Der Gegenstand, von dem man eine galvanoplastische Nachbildungzu haben wünscht, wird selten im Original in die Kupferlösung gebracht,sondern man wendet zu diesem Zwecke meistens Formen aus Wachs, GuttaPcrcha oder, namentlich sür größere Gegenstände, aus Gyps an. Da-mit sich jedoch auf diesen Formen das Kupfer niederschlage, müssen sie„leitend" gemacht, d. h. mit einem metallischen Ucbcrzuge (feines Bronzeoder Graphitpulver) versehen werden. Der Formen von Wachs bedientman sich gewöhnlich sür Originalmodelle. Gutta Percha läßt sich, durchkochendes Wasser erweicht, in jede beliebige Form pressen, die es nach demErkalten behält, und Gyps wird endlich meist für größere, aus mehrerenStücken zusammengesetzte Formen verwendet. Die einzelnen Stücken desso galvanoplastisch erzeugten Kunstwerkes werden dann zusammengelöthetund mit Neusilber gefüttert. Auch hat man Gypssormen mit Vortheildazu verwendet, um als Kern eines darüber niedergeschlagenen, ganz dün-nen galvanoplastische» Ueberzugs zu dienen, wodurch man im Standewar, sehr billige und doch dauerhafte Kunstprodukte herzustellen. Die Gal-vanoplastik hat den großen Vortheil, daß es durch sie möglich ist, Kunst-werke leichter, billiger und genauer als auf irgend eine andere Art inMetall zu vervielfältigen.

In enger Verbindung mit der vorstehenden Erfindung und vongleich großem Nutzen sür Kunst und Gewerbe ist die Vergoldung undVersilberung auf galvanoplastischem Wege. Dem Vergolder namentlichwurde durch diese neue Methode ein wesentlicher Dienst geleistet, indem sieihn in den Stand setzte, von der wegen der Q-uecksilberdämpfe der Ge-sundheit so gefährlichen Fcuervergoldung abzustehen.

Das Verfahren der Herren Elkington und Mason, die auchin diesem Fache sich auszeichnen, ist solgcndes:

Eine gegebene Ouantität Gold wird in drei Theilen Salzsäure undeinem Theile Salpetersäure aufgelöst und in neutrale Chlorgoldlöfungverwandelt. Diese Lösung wird mit Magnesia digerirt, wodurch sich Gold-oryd niederschlägt, was in starker Salpetersäure gekocht, gut ausgewaschenund dann in wäßrigem Cyankalium aufgelöst wird, wodurch sich einfach